An eine alte Frau, die beim Diner servierte
An eine alte Frau, die beim Diner servierte
1
Wie feindlich sind die Gerichte,Der Duft, der den Weinen entweht?Hat nicht in jedem GesichteSich Stolz und Verachtung gebläht?
5Die Frau’n in leichten Roben,
Die zeigen Bein’ und Füße.Doch tückisch ist die Süße.Sie sind so hoch erhoben.Wer brächte ihnen Grüße,
10Wer wagte sie zu loben?
Sie stürzen mich in altes Leid,In meine weite Einsamkeit.
Die Herren in den Fräcken,Gewillt mich hinzustrecken,
15Sind höflich und geschliffen,
Zerreißen mich mit Kniffen.
Die Diener, die da lauern,Sie bringen mich zum Trauern.In Blicken, die mich trafen,
20Heißts: Hund, wir möchten schlafen!
2
Da tratst du ein, Alte, lächelnd, mit der Schüssel!Neigtest dich traut auch zu mir, Beseligende.Warst um mich, Erscheinung,Und ich fühlte viel in Tränen,
25Was da war, als du weiltest.
Der Wind vor herbstlichem Haus in Stoppeln,Wenn du die Buben schiltst.Das Öl,Womit du die Brust des Kranken einreibst.
30Dein Wachen an kleinen Betten
Und die verbrannten Hände.Dein Schlafengehn,Wenn das Küchengas stirbt.Dein Bald–Aufstehn,
35Wenn durch die störrische Frühe
Die Laternen und Glocken der frischen Milchwagen schaukeln.Dein Sonntag-Nachmittag,Wenn draußen die tausend traurigen SchritteSind und niederfallen die braunen
40Blätter des Himmels
Und du die Lampe rüstest.
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