Satyros oder Der vergötterte Waldteufel

EINSIEDLER. Ihr denkt, ihr Herrn, ich bin allein,

Man hört von ferne heulen.

|167EINSIEDLER.

SATYROS.

EINSIEDLER.

SATYROS. Dumme Frag! Ihr könnt's ja sehn.

EINSIEDLER. Hockt auf! Hier in die Hütte rein.

Einsiedler bockt ihn auf, trägt ihn in die Hütte und legt ihn aufs Bett.

EINSIEDLER. Halt still, daß ich die Wund beseh!

SATYROS. Ihr seid ein Flegel! Ihr tut mir weh.

EINSIEDLER.

SATYROS. Schafft mir Wein und Obst dazu.

EINSIEDLER.

SATYROS. Eure Wirtschaft ist schlecht bestellt.

EINSIEDLER.

SATYROS.

EINSIEDLER.

SATYROS. Was blast Ihr da so in die Hand?

EINSIEDLER.

SATYROS. Ihr seid doch auch verteufelt arm.

|168EINSIEDLER. Nein, Herr! ich bin gewaltig reich;

SATYROS.

EINSIEDLER. So legt Euch denn einmal zur Ruh,

Ende des ersten Akts.

SATYROS erwachend.

Ende des zweiten Akts.

SATYROS.

Zwei Mägdlein mit Wasserkrügen.

ARSINOE. Hör, wie's daher so lieblich schallt!

PSYCHE. Es ist kein Knab von unsrer Flur;

ARSINOE. Mir ist bang.

PSYCHE.

SATYROS singt.

ARSINOE. Der singt wahrhaftig gar zu schön!

PSYCHE.

|170SATYROS singt.

PSYCHE. Welch göttlich hohes Angesicht!

ARSINOE. Siehst denn seine langen Ohren nicht?

PSYCHE. Wie glühend stark umher er schaut!

ARSINOE.

SATYROS. O Mädchen hold, der Erde Zier!

PSYCHE. Wie kommst du an den Brunnen hier?

SATYROS.

PSYCHE. O lieber Fremdling! sag uns recht,

SATYROS. Meine Mutter hab ich nie gekannt,

PSYCHE.

ARSINOE. Von was, o Fremdling, lebst du dann?

SATYROS. Vom Leben, wie ein andrer Mann.

PSYCHE. Ach Gott! ich weiß, wie's einem tut.

ARSINOE. Hör, das wär meines Vaters Mann.

PSYCHE. Ja freilich!

SATYROS. Wer ist dein Vater dann?

ARSINOE. Er ist der Priester und Ältest im Land,

PSYCHE. So lauf und bring ihn geschwind herbei!

Arsinoe ab.

SATYROS. So sind wir denn allein und frei.

PSYCHE. O Gott! seitdem ich dich gesehn,

SATYROS.

PSYCHE. Ich bin ein armes Mägdelein,

Er umfaßt sie.

SATYROS. Hab alles Glück der Welt im Arm

PSYCHE. Dies Herz mir schon viel Weh bereit',

SATYROS. Du hast nie gewußt, wo mit hin?

PSYCHE. Nie – als seitdem ich bei dir bin.

SATYROS. Es war so ahnungsvoll und schwer,

|172PSYCHE. O Herr! du weißest alle Ding'.

Er küßt sie mächtig.

PSYCHE.

Hermes und Arsinoe kommen.

HERMES.

SATYROS. Ihr tragt ein verflucht weites Gewand.

HERMES. Das ist nun so die Landesart.

SATYROS. Und einen lächerlich krausen Bart.

ARSINOE leise zu Psyche.

PSYCHE. O

HERMES. Ihr scheint mir auch so wunderbar.

SATYROS. Siehst an mein ungekämmtes Haar,

HERMES. Mir nicht!

PSYCHE. Mir auch nicht.

ARSINOE für sich. Aber mir!

SATYROS.

HERMES. Herr! es ist eine Notwendigkeit.

PSYCHE.

SATYROS. Was Not! Gewohnheitsposse nur,

Es drängt sich allerlei Volk zusammen.

EINER AUS DEM VOLK.

EIN ANDERER.

SATYROS. Habt eures Ursprungs vergessen,

DAS VOLK. Weh uns! Weh!

SATYROS. Da eure Väter neugeboren

DAS VOLK. Weh! Weh!

SATYROS. Selig, wer fühlen kann,

DAS VOLK.

SATYROS. Was hält euch zurücke

DAS VOLK. Rohe Kastanien! Jupiters Sohn!

SATYROS. Folgt mir, ihr Werten!

DAS VOLK. Rohe Kastanien! Unser die Welt!

Ende des dritten Akts.

Im Wald.

Satyros, Hermes, Psyche, Arsinoe, das Volk sitzen in einem Kreise, alle gekauert wie die Eichhörnchen, haben Kastanien in den Händen und nagen daran.

HERMES für sich. Sackerment! ich habe schon

SATYROS. Und bereitet zu dem tiefen Gang

|175DAS VOLK. Lehr uns! wir hören!

SATYROS. Wie im Unding das Urding erquoll,

HERMES.

SATYROS. Wie sich Haß und Lieb gebar

DAS VOLK. Er ist ein Gott!

HERMES.

DAS VOLK. Gott! Gott!

PSYCHE. Heiliger Prophete,

DAS VOLK. Sinkt nieder!

EINER. Sei uns gnädig!

EIN ANDRER. Wundertätig

DAS VOLK. Nimm dies Opfer an!

EINER. Die Finsternis ist vergangen.

DAS VOLK. Nimm dies Opfer an!

EINER. Der Tag bricht herein.

|176DAS VOLK. Wir sind dein!

Der Einsiedler kommt durch den Wald gerade auf de Satyros zu.

EINSIEDLER.

SATYROS. Mit wem sprichst du?

EINSIEDLER. Mit dir.

DAS VOLK. Höllenspott!

EINSIEDLER. Du wirst von keiner Schande rot.

DAS VOLK. Der Lästrer hat verdient den Tod.

SATYROS. Haltet ein!

DAS VOLK.

SATYROS. Ich gehe.

DAS VOLK. Doch verlaß uns nicht!

Satyros ab.

EINSIEDLER. Seid ihr toll?

HERMES. Unseliger, kein Wort!

Sie führen den Einsiedler ab.

DAS VOLK. Sterben soll er!

HERMES. Er verdient keine Schonung.

|177DAS VOLK. Wohl! Wohl!

HERMES. Zur Gottheit Füßen

DAS VOLK. Das Verbrechen

ALLE. Zernichtet die Lästrer,

Ende des vierten Akts.

Wohnung des Hermes.

Eudora, Hermes' Frau. Der Einsiedler.

EUDORA.

EINSIEDLER. Weib! ich danke dir.

EUDORA.

EINSIEDLER.

EUDORA. Dich um des Tiers willen töten!

EINSIEDLER.

EUDORA. O

EINSIEDLER. Ich erkenn ihn dran.

EUDORA.

EINSIEDLER. Sie bereiten das Opfer heut.

EUDORA. Die Gefahr lehrt uns bereit sein.

EINSIEDLER. Und dann?

EUDORA. Wann sie dich zum Opfer führen,

EINSIEDLER. Ich fürchte –

EUDORA. Fürchte nicht!

EINSIEDLER.

|179Der Tempel.

Satyros sitzt ernst-wild auf dem Altar. Das Volk vor ihm auf den Knien. Psyche an ihrer Spitze.

DAS VOLK. CHORUS.

Hermes. Ihm folgt ein Trupp, den Einsiedler gebunden führend.

DAS VOLK. Höll und Tod dem Übertreter!

SATYROS herabsteigend.

DAS VOLK. O Edelmut!

SATYROS. Ich geh ins Heiligtum hinein;

EINSIEDLER für sich.

Satyros ab.

EINSIEDLER. Mein Leben ist in euren Händen,

EINER DES VOLKS.

EIN ANDRER.

EIN DRITTER.

EINSIEDLER.

DAS VOLK. Er will uns beschwätzen. Fort! Fort!

EINSIEDLER. Noch ein Wort!

HERMES. Und wie soll's heißen?

EINSIEDLER leise.

Sie wollen gehn.

DAS VOLK. Verwegner, keinen Schritt!

PSYCHE.

VOLK. Auf! Auf! Des Frevlers Blut und Tod.

Sie reißen den Einsiedler zum Altare. Einer dringt dem Hermes das Messer auf.

EUDORA inwendig. Hülfe! Hülfe!

|181DAS VOLK. Welche Stimme?

HERMES. Das ist mein Weib!

EINSIEDLER. Gebietet eurem Grimme

EUDORA inwendig. Hülfe, Hermes! Hülfe!

HERMES. Mein Weib! Götter, mein Weib!

Er stößt die Türen des Heiligtums auf. Man sieht Eudora, sich gegen des Satyros Umarmungen verteidigend.

HERMES. Es ist nicht möglich!

Satyros läßt Eudoren los.

EUDORA. Da seht ihr euren Gott!

VOLK. Ein Tier! ein Tier!

SATYROS. Von euch Schurken keinen Spott!

HERMES. Geh! wir begehren deiner nit.

Satyros ab.

EINSIEDLER.

Comentarios

Cargando comentarios…