Das Göttliche

Edel sey der Mensch,Hülfreich und gut!Denn das alleinUnterscheidet ihn,

5Von allen Wesen,Die wir kennen.

Heil den unbekanntenHöhern Wesen,Die wir ahnden!

10 Sein Beyspiel lehr’ unsJene glauben.

Denn unfühlendIst die Natur:Es leuchtet die Sonne

15Über Bös’ und Gute,Und dem Verbrecher[216] Glänzen wie dem BestenDer Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,

20Donner und HagelRauschen ihren Weg,Und ergreifen,Vorüber eilend,Einen um den andern.

25 Auch so das GlückTappt unter die Menge,Faßt bald des KnabenLockige Unschuld,Bald auch den kahlen

30Schuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,Großen Gesetzen,Müssen wir alleUnseres Daseyns

35Kreise vollenden.

[217] Nur allein der MenschVermag das Unmögliche:Er unterscheidet,Wählet und richtet;

40Er kann dem AugenblickDauer verleihen.

Er allein darfDen Guten lohnen,Den Bösen strafen;

45Heilen und rettenAlles Irrende, SchweifendeNützlich verbinden.

Und wir verehrenDie Unsterblichen,

50Als wären sie Menschen,Thäten im Großen,Was der Beste im KleinenThut oder möchte.

[218] Der edle Mensch

55Sey hülfreich und gut!Unermüdlich schaff’ erDas Nützliche, Rechte,Sey uns ein VorbildJener geahndeten Wesen!

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