Der Fischer
[155] Der Fischer.
Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,Ein Fischer saß daran,Sah nach dem Angel ruhevoll,Kühl bis an’s Herz hinan:
5Und wie er sitzt und wie er lauscht,Theilt sich die Fluth empor,Aus dem bewegten Wasser rauschtEin feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
10Was lockst du meine BrutMit Menschenwitz und MenschenlistHinauf in Todesgluth?Ach wüßtest du, wie’s Fischlein istSo wohlig auf dem Grund,
15Du stiegst herunter, wie du bist,Und würdest erst gesund.
[156] Labt sich die liebe Sonne nicht,Der Mond sich nicht im Meer?Kehrt wellenathmend ihr Gesicht
20Nicht doppelt schöner her?Lockt dich der tiefe Himmel nicht,Das feucht verklärte Blau?Lockt dich dein eigen AngesichtNicht her in ew’gen Tau?
25 Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,Netzt’ ihm den nackten Fuß,Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,Wie bey der Liebsten Gruß.Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
30Da war’s um ihn geschehn:Halb zog sie ihn, halb sank er hin,Und ward nicht mehr gesehn.
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