Der Junggesell und der Mühlbach (1799)

Der Junggesell

und

der Mühlbach

Altdeutsch.

Gesell.

Wo willst du klares Bächlein hin,So munter?Du eilst mit frohem leichtem Sinn,Hinunter.

5Was suchst du eilig in dem Thal?

So höre doch und sprich einmal!

Bach.

Ich war ein Bächlein, Junggesell,Sie habenMich so gefaßt damit ich schnell,

10Im Graben,

Zur Mühle dort hinunter soll,Und immer bin ich rasch und voll.

Gesell.

Du eilest mit gelaßnem Muth,Zur Mühle,

15Und weißt nicht was ich junges Blut

Hier fühle.Es blickt die schöne MüllerinnWohl freundlich manchmal nach dir hin?

Bach.

Sie öffnet früh beim Morgenlicht,

20Den Laden,

Und kommt ihr liebes AngesichtZu baden,Ihr Busen ist so voll und weiß,Es wird mir gleich zum Dampfen heiß.

Gesell.

25 Kann sie im Wasser Liebesglut

Entzünden;Wie soll man Ruh mit Fleisch und BlutWohl finden?Wenn man sie einmal nur gesehn,

30Ach immer muß man nach ihr gehn.

Bach.

Dann stürz ich auf die Räder mich,Mit BrausenUnd alle Schaufeln drehen sichIm Sausen.

35Seitdem das schöne Mädchen schafft,

Hat auch das Wasser beßre Kraft.

Gesell.

Du Armer fühlst du nicht den SchmerzWie andre?Sie lacht dich an und sagt im Scherz:

40Nun wandre!

Sie hielte dich wohl selbst zurück,Mit einem süßen Liebesblick?

Bach.

Mir wird so schwer, so schwer vom OrtZu fließen,

45Ich krümme mich nur sachte fort,

Durch Wiesen,Und käm’ es erst auf mich nur an,Der Weg wär’ bald zurück gethan.

Gesell.

Geselle meiner Liebesqual

50Ich scheide

Du murmelst mir vielleicht einmalZur Freude.Geh sag ihr gleich und sag ihr oftWas still der Knabe wünscht und hofft.

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