Die Liebhaber
[82]Die Liebhaber.
Mein Mädgen im Schatten der LaubeUmhangen von purpurner TraubeBekränzte mit Rebenlaub sichUnd wartete schmachtend auf mich.
5[83]Da wallte der Herrscher der Träume
Durch zitternde Wipfel der Bäume,Erblikte das liebliche Kind,Sank nieder, umarmt es geschwind.
Sie schlummert, er küsste die Wangen,
10Sie glühten von heissem Verlangen,
Erhizzet, o Gottheit, von Dir,Nach sterblichen Küssen von mir.
[84]Da saugte mit athmenden Zügen
Annette das gröste Vergnügen
15Der Träume, die Mädgen erfreun,
Vom Munde des Göttlichen ein.
Schnell war sie von Leuten umgeben,Die schmachteten seufzend nach Leben,Und harreten zitternd aufs Glück
20Von einem beseelenden Blick,
[85]Da lag nun auf Knien die Menge,
Mein Mädgen erblikt das Gedränge,Und hörte der bittenden Schreyn,Und dünkte sich Venus zu seyn.
25Erst sah sie den schreklichen Sieger,
Da lag er gebükt, wie ein Krieger,Den stärkerer Streitenden MachtIn schimpfliche Fesseln gebracht.
[86]So sprach er: „Die mächtigen Waffen
30Den Ruhm zu erobern geschaffen
Erheben, erwählest du mich,Aus deine Befehle nur sich.
Da fürcht ich nicht Wäll' nicht Canonen,Nicht Tonnen, die Minen bewohnen,
35Nicht Feinde die schaarenweis ziehn,
Du sprichst nur: Entflieht; sie entfliehn.
[87]Doch mußt du für Eisen nicht beben,
Mein Arm den jezt Waffen umgeben,Schliest sich in entwafneter Ruh’
40Auch sanften Umarmungen zu.“
Der Kaufmann mit Puzwerk und Stoffen,Was eitele Mädgen nur hoffen,Trat näher, und beugte sein Knie,Verbreitet es hoffend vor sie; -
45[88]„Erhöre mich, werde die meine,
So sprach er, „dieß alles ist deine,Dich kleid’ ich in herrlicher PrachtDann wenn du mich glüklich gemacht.“
Der Stuzzer im schekkigen Kleide
50Von Sammt und von Gold und von Seide
Kam summend, wie Käfer im Mäy,Mit künstlichen Sprüngen herbey -
[89]„Du glänzest bey Ball und Concerten,
Du herrschest beym Spiel und in Gärten,
55Mein Dressenrock schimmert auf dich,
Geliebteste, wähle du mich.“
Noch andere kamen. GeschwindeWieß da mich dem göttlichen KindeDer Traumgott. Sie schaute mich kaum,
60Den lieb ich - so rief sie im Traum,
[90]„Komm, eile! o komm mich zu küssen“ -
Ich eilte sie fest zu umschliesen;Denn ich war ihr wachend schon nah,Und küssend erwachte sie da.
65Kein Pinsel mahlt unser Entzükken,
Da sank sie mit sterbenden Blikken,O welche unsterbliche Lust!An meine hochfliegende Brust.
[91]So lag einst Bertumn und Pomone,
70Als er auf dem grünenden Throne
Das sprödeste Mädgen bekehrt,Zuerst sie die Liebe gelehrt.
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