Prometheus (Gedicht, frühe Fassung)
[207]Prometheus.
Bedecke deinen Himmel, Zevs,Mit Wolkendunst,Und übe, dem Knaben gleich,Der Disteln köpft,
5 An Eichen dich und Bergeshöhn;
Müßt mir meine ErdeDoch lassen stehn,Und meine Hütte, die du nicht gebaut,Und meinen Herd
10Um dessen Gluth
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts ärmersUnter der Sonn’ als euch, Götter!Ihr nähret kümmerlich
15Von Opfersteuern
Und GebetshauchEure Majestät,Und darbtet, wären
[208] Nicht Kinder und Bettler
20Hoffnungsvolle Thoren.
Da ich ein Kind war,Nicht wußte wo aus noch ein,Kehrt’ ich mein verirrtes AugeZur Sonne, als wenn drüber wär’
25Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie mein’s,Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mirWider der Titanen Übermuth?
30Wer rettete vom Tode mich
Von Sklaverey?Hast du nicht alles selbst vollendet,Heilig glühend Herz?Und glühtest jung und gut,
35Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?Hast du die Schmerzen gelindert
[209] Je des Beladenen?
40Hast du die Thränen gestillet
Je des Geängsteten?Hat nicht mich zum Manne geschmiedetDie allmächtige ZeitUnd das ewige Schicksal,
45Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,Ich sollte das Leben hassen,In Wüsten fliehen,Weil nicht alle
50Blüthenträume reiften?
Hier sitz’ ich, forme MenschenNach meinem Bilde,Ein Geschlecht, das mir gleich sey,Zu leiden, zu weinen,
55Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,Wie ich!
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