An Richard Wagner

[170]An Richard Wagner.

1855.

Von einer neuen Oper sprach man lang,Voll rauschender Musik und holdem Sang,Die Deinen Namen uns verkündet;Und alles Neue lockte mich herbei

5Wenn eines deutschen Namens Weih’

Sich deutschem Werk verbündet

In Dresdens Opernhause weilt ich nun:„Rienzi“ hieß die Oper, „Roms Tribun“.Mit vollen, feierlichen Klängen

10Begann sie, da Dein kleiner Zauberstab

Das erste Zeichen dem Orchester gab,Daß Tön’ an Töne drängen.

Erschüttert lauscht das dichtgefüllte HausWagt kaum zu atmen in dem Tongebraus,

15Ruft beifallstürmend in die Scene,

Und immer neu bricht sich Begeistrung Bahn,Ruft bald „Rienzi“ und bald „Adrian“,„Colonna und Irene“!

[171]Todtbleich und bebend fand ich mich am Schluß –

20Eins wußt ich nur: Es war ein Genius,

Der mich mit Gottesmacht bezwungen.Ein Genius, der mit TitanenkraftDas Alte stürzte und ein Neues schafft,Ein neues Reich errungen.

25Da kam der Splitterrichter eitle Zunft

Und mäkelte mit alter UnvernunftAn dem, das ihr zu hoch gegeben.Ich lächelte zu ihrem häm’schen Wort –Seit jenem Tag warst Du mein Held und Hort

30Im kunstgeweihten Leben.

Des „fliegenden Holländers“ Geisterschiff„Tannhäusers“ und des Wolframs HarfengriffUnd „Lohengrins“ erhabnes Tönen –:Die folgten nach, wie Stern an Stern sich reiht,

35Durchbrechend hell der Wolken Dunkelheit

Am Himmel alles Schönen,

Und immer neu, wie jenes erste mal,Da sich Begeistrung in das Herz mir stahlHab’ ichs entzückt bekennen müssen –

40Und hab’ es – o wie gern – bekannt!

Du hast entdeckt ein neues Land,Kolumbus! laß Dich grüßen.

[172]Und ob wie er vervehmet und verbannt,

Du einsam weilst im fernen, fremden Land

45Dein Stern kann nicht erbleichen.

Mit Donnertönen dringt Dein Name weitEr glänzt in sieggewohnter HerrlichkeitAls unser Bundeszeichen.

Dir winkt der Tempel der Unsterblichkeit,

50Die jeden Genius der Zukunft weiht,

Der seinem Volk vorangegangen.Es folgt Dir nach zum Reich, das Du erschaut,Der Zukunft Kunstwerk wird einst hoch erbautUnd Dir geweihet prangen.

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