Blumengeister

[228]Blumengeister.

Nun ist im Sturm mit Schnee und EisDer Winter angekommen,Hat auf tyrannisches GeheißDie Blüten all genommen.

5Sie sind dahin mit einem mal

Und hängen welk hernieder,Es weckt kein milder SonnenstrahlDie Frostgetroffnen wieder.

Ihr Glanz, ihr Duft, ihr Leben schwand

10Und öd’ sind Flur und Garten,

Zur weißen Wüste ward das Land,Die Flüsse selbst erstarrten.

So sinken in die kalte GruftDie letzten Blumenleichen,

15Und harren bis der Lenz sie ruft

Aus ihrem Grab zu steigen.

Doch kann der Blumengeister ScharWohl nächtlich um noch gehen –In kalter Mondnacht, hell und klar

20Sind sie gar oft zu sehen.

[229]Sie kommen aus dem Grab hervor

Wie neckende Gespenster,Und blühen – ein krystall’ner Flor –An dem gefrornen Fenster.

25Und rufen die Erinnrung wach

An alle Sommerstunden,Wo Menschenhand die Blümlein brachUnd sie zum Kranz gewunden –

Wo Menschenfuß sie gar zertrat,

30Nicht achtend auf ihr Flehen –

Es läßt zu rächen solche That,Die Geisterschar sich sehen.

Und mahnt mit glänzend heller Schrift:„Dein eignes Thun bewache,

35Damit dich nicht im Winter trifft

Der Blumengeister Rache!“

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