Das Kätchen von Heilbronn
[33]Das Kätchen von Heilbronn.
Ihr kennt wohl die alte MäreUnd kennt wohl das schöne GedichtUnd wißt was vom Kätchen von Heilbronn,Man immer noch kundet und spricht?
5Wie einst sie gelaufen dem Ritter,
Dem Wetter von Strahl lange nach,Bis Lieb seinen Stolz überwunden,Er plötzlich zu Füßen ihr lag!
Und habt Ihr das Mädchen gescholten,
10Das der inneren Stimme vertraut
Habt ihr sie doch gern als PrinzessinAm Ziel ihrer Sehnsucht geschaut.
Ich mache die Mär mir zu NutzeErneu sie in jetziger Zeit;
15Auch ich folge treu einem Ritter
Aus meiner Verborgenheit.
Er sitzet gar stattlich zu Rosse,Hoch flattert der Helmbusch ihm nach,Es blitzet die mächtige Klinge,
20Der mancher Gewaltge erlag.
[34]Mich treibt eine innere Ahnung,
Durchzittert ein stürmischer DrangIhm immer und ewig zu folgen –Doch oftmals wie wird mir so bang!
25Wenn alle die Knappen und Ritter
Ich sehe zur Seite ihm ziehn,Geschmücket auf mutigen Rossen,Im Glanze die Waffen erglühn: –
Und seh nun mich Arme daneben
30Von Rittern wohl nimmer bemerkt,
Von Knappen gehöhnt und gescholten –Dann hab ich umsonst mich gestärkt! –
Der Ruhm ist der herrliche Ritter,Der Ruhm ist Graf Wetter von Strahl!
35Dem werd ich zu folgen getrieben
Aus Ahnung und Drang – nicht aus Wahl!
Doch bleib ich die niedrige Käthe,Zu klar nur erkennt das mein Sinn,Wenn ich nicht die Tochter des Kaisers,
40Des Schöpfers des Genius bin!
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