Erinnerung an die Rudelsburg

[21]Erinnerung an die Rudelsburg.

I.

Wir weilten in alten RuinenEin junges glückliches Paar,Mit liebeseligen Mienen,Das treu verbunden war.

5Wir sprachen mit Kuß und Scherzen,

Mit Wonneblick und ThränVon unsern seligen Herzen,Die fester als Burgen stehn! –

Will ich nun wiedersehen

10Die Stätte meines Glücks,

So muß ich einsam gehen,Gesenkten, trüben Blick’s.

Der damals mich umfangenSank wie dies Bergschloß ein!

15Von beiden die vergangen

Spricht nur noch das Gestein!

[22]II.

„Hörst du die Saale drunten flüstern?O mein Geliebter – da hinab!Könnt Trennung uns das Leben düstern,

20Dort ist für uns ein einig Grab!“

So rief ich aus voll Liebesbeben,In meines Herzens Ahnungsgrauen,Du aber sprachst von Glück und LebenMit heiterlächelndem Vertrauen:

25„Nicht Trennung kann das Leben haben,

Mein Liebchen, ja für dich und mich,Nur Liederflut mag uns begrabenUnd Deine Locken decken mich!“

Nun bist du, Liebster, doch begraben,

30Auf kalter Brust die Locke mein –

Kann mich die Liederflut noch laben,Die jetzt umwogt nur mich allein?

Ach, wie wir damals uns umschlungenHättst „Schwärmrin“! du mich nicht genannt

35So wären wir hinabgesprungen

Und hätten Trennung nie gekannt.

[23]So wär ich nicht allein geblieben

In dieser kalten, öden Welt,Die, weil ich nicht kann wieder lieben,

40Mein Herz für kalt und fühllos hält.

Doch muß ich noch im Leben ringen:Wohlan – der Liebe Glück ist hin, –Noch aber kann ich mutig singen:Noch lebt mein freier, stolzer Sinn!

45Noch kann ich kämpfen mit Ruinen,

Die so wie diese ringsum stehn,Noch kann der neuen Zeit ich dienen,Und froh das Alte weichen sehn.

Noch kann ich wie die Saale drunten

50Dem Vorwärtswogen froh mich weihn –

Doch hab ich einsam stille StundenTräum ich von Liebe – ewig Dein! –

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