Gott im Himmel sieh darein!
[101]Gott im Himmel sieh darein!
Das Alphorn tönt, die Hirtin zieht zur Senne,Die Heerdenglocken klingeln vor ihr her,Und sicher, daß er keinen Stein verkenneSteigt dort der Bursche mit dem Schießgewehr
5Empor zur Alp’, die Gemse zu erjagen,
Auf Felsenpfaden, die ins Blaue ragen.
Das Gletschereis glänzt bunt in Frührotsschimmer,Rot glüht die Firn und dunkel dampft der See,Hier Blüthenpracht, dort ewges Eisgeflimmer,
10Hier grüne Matte, droben weißer Schnee!
Lawinen drohen von der Berge Warten –Das ist die Schweiz der schöne Gottesgarten
Und feig versteckt im weiten PriesterkleideMit Gift und Kette wandelt der Verrat,
15Ein Volk zu knechten, das ein Tell befreite,
Aus dessen Mitte einst ein Zwingli trat,Gar finstre Macht wohnt in des Landes MittenDas ist die Schweiz! und das sind Jesuiten!
[102]Kanonen donnern dumpf und Kugeln fliegen –
20O, das ist mehr, ist mehr als Gemsenjagd.
Ach, das sind Brüder, die sich wild bekriegenDas Bruderblut ist’s das zum Himmel klagt,Ein Fluch, der allwärts folgt der Heuchler Schritten –Das ist die Schweiz! – und das sind Jesuiten!“
25Ich schaue hier und bebe – soll ich beten?
So reich gesegnet hat der Herr dies Land.Frei darf nicht nur der Strom, der Vogel reden,Frei auch der Mensch die Feder in der Hand,Frei darf das Volk im freien Rate sitzen,
30Frei die Vertriebnen andrer Staaten schützen.
So viel, so viel hat Gott der Schweiz gegeben –Traun viel um das es uns zu bitten not –Er gab ihr Alles, was sie braucht zum Leben,Zum freien Leben – andres ist nur Tod.
35Fast Frevel scheint’s bei so viel Heil zu bitten –
So sei’s denn Fluch – – Verflucht die Jesuiten
Ich schaue hin und bebe – soll ich fluchen?Ja, ja ich darf’s, ich ruf den Himmel an!Die eine Hölle in dies Eden trugen
40Sie sind verflucht, die solchen Greul gethan! –
Sieh Gott darein! – das ist mein brünstig Bitten –Heil sei der Schweiz! – Fluch sei den Jesuiten.
Comentarios
Cargando comentarios…