Im Hirschberger Thal

[115]Im Hirschberger Thal.

Es ist wohl eine Freudenthrän’Mir in das Aug getretenAls ich die Gegend hier gesehn,Ein wortlos stilles Beten

5Hier, wo die Berge rings herum

Sich heben wie AltäreSo feierlich, so ernst und stummSo stark zu Gottes Ehre.

Es trägt das Haupt der Koppe Schnee,

10Hell schimmert die Kapelle

Es springen von der Berge HöhDie muntern Wasserfälle;Die Wiesen sind so frisch und grün,So schön die dichten Wälder

15Und wunderbare Blumen blühn,

Hoch stehn die Saatenfelder.

Mir ist ich sei im ParadiesWenn ich so ringsum schaue!Und hingesunken träum ich süß

20Auf dufterfüllter Aue.

So traut, so heimlich ist’s im Thal,Und von den Bergen drobenKlingts wie ein Gruß von Rübezahl,Der seine Stimme erhoben.

25[116]Doch weiter setz ich meinen Fuß,

Hin wo die Menschen wohnenIch biete ihnen frohen GrußUnd sie: „Mag’s Gott Euch lohnen!“Das klingt so traurig, schmerzensreich,

30Was blickt ihr so zur Erde?

Helf Gott! Du Weib – wie bist Du bleich,Wie schmerzlich von Geberde?

In Deine Hütte laß mich sehn –Da drinn am Webestuhle,

35Gestalten voller Jammer stehn

Und klappern mit der Spule.Die Kinder schreien laut nach Brot,Die blinde Alte singetEin düstres Lied vom Freunde Tod,

40Der einst Erlösung bringet.

Es ist wohl eine Schmerzensthrän’,Mir in das Aug getretenAls ich die Menschen hier gesehn,Ein wortlos stilles Beten,

45Bis einen Schrei hervor ich stieß. –

O hört ihn nicht vergebens! –Die Schlange ist im ParadiesUnd frißt vom Baum des Lebens!

Comentarios

Cargando comentarios…