Maria von Medicis in Köln
[216]Maria von Medicis in Köln.
Sie, die einst Fürstin – eine Königin,Nun fern der Heimat – eine Bettlerin!Aus stolzem Mediceer-Blut entsprossenUnd Herrscherin auf Frankreichs hohem Thron,
5Auf dunklem Lockenhaar die goldne Kron’,
Vom Purpur wallend die Gestalt umflossen:
Das war Maria in vergangner Zeit –Doch jetzt – wo ist die einst’ge Herrlichkeit?Jetzt irrt sie obdachlos von Land zu Lande.
10Aufschoß der Samen, den sie selbst gesät,
Zu blut’ger Ernt’, von blut’ger Hand gemäht,Die ihr gereift zum Fluche und zur Schande.
Der eigne Sohn war’s, der sie kalt verstieß –Das ist die Schreckensmacht der Nemesis,
15Daß sie Verbrechen sühnt stets mit Verbrechen.
Die Tyrannei stürzt fremde Tyrannei,Schleppt immer neue Ketten nur herbei,Bis daß ein Volk erstarkt sie zu zerbrechen.
[217]Gefangen, wo sie einst Regentin war,
20Und dann verfolgt, verbannt für immerdar;
Aus England und aus Holland selbst vertriebenBetritt sie Köln, die heil’ge Stadt am Rhein;Unwillig schaut der deutsche Bürger drein,Und ist doch treu dem heil’gen Gastrecht blieben.
25Köln ist der Greisin schützendes Asyl,
Doch manchmal wogt ein zürnendes GewühlMutwillig höhnend unter ihrem Fenster.Dann flieht erschreckt sie in ihr Schlafgemach –Ein Heil’genbild, ein reuevolles Ach!
30Soll scheuchen ihrer Thaten Rachgespenster.
Da naht ein Julitag, der sie erlöst,Sie betet, daß der Herr sie nicht verstößt,Sie nicht in ihren Sünden läßt verderben;An ihrem Lager steht der Nuntius,
35Das Totenglöckchen mahnt wie Himmelsgruß,
Das heil’ge Oel benetzet sie im Sterben.
Ob Frankreich auch die Lebende verstieß,Die Königsleiche fordert doch ParisUnd holt sie ein mit königlichen Ehren.
40Im Kölner Dome blieb allein ihr Herz,
In einem Schrein von wohlgegossnem Erz,Noch die Erinnerung an sie zu nähren
[218]Drauf eingegraben war ein frommer Spruch –
Doch Kölner Bürger nannten’s eitel Lug
45Und stahlen weg die Tafel von dem Male,
Es wagte niemand je sie zu erneun:Ein Volks-Urteil wie Gottes-Urteil scheunWar Recht in Köln, der Stadt vom heil’gen Grale.
Und trittst Du jetzt in den erhabnen Bau,
50Fragst nach dem Platz der königlichen Frau,
So zeigt man dir in dem Drei-Königs-ChoreDie Nägel nur, wo einst die Platte war –Dir graut – als blickte eine GeisterscharHerab vom Gold und Purpur der Empore.
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