Totenklage
[19]Totenklage.
I. Auf den Grabstein meines Bräutigams.
In meinem Herzen steht dein Bild,Dein Name klingt durch meine LiederTrotz Tod und Trennung nah ich mildZu deinem Grab mich liebend wieder:
5Denn zweier Seelen reine Harmonie
Trennt selbst des Todes schriller Mißton nie.
II. Gebet am Grabe.
Du gabst ihn mir – du hast ihn mir genommen,Du ew’ger Gott, der unser Schicksal lenkt,Mit ihm ward mir das höchste Glück geschenkt
10Und nun ist mir das tiefste Leid gekommen.
Ich frage wohl: wie soll ich noch ertragenDas Leben, das nun öde vor mir liegtSeit ihn des Todes dunkle Macht besiegtUnd all umsonst mein Sehnen und mein Klagen?
15[20]Und doch – ob alle Hoffnungen versanken
Erinn’rung bleibt mir an die Seligkeit,Die nur der Liebe süße Macht verleiht –Und dafür muß ich selbst in Thränen danken.
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