Weserfahrt

[90]Weserfahrt.

Und mögen sie dichten und singenVom alten deutschen Rhein.Mein Lied soll der Weser erklingen,Soll ihr gewidmet sein!

5Die Werra und Fulda, die beiden,

Die haben’s wohl erkannt,Die wollen zusammen durchgleiten,Vereint das Vaterland.

Die wollen treu halten zusammen

10Mit einem Wort genannt,

Weil beid aus Germanien stammen,Dem alten Vaterland! –

Im Land, das die Weser durchwallet,Erklang einst Hermanns Wort,

15Und Dröhnen der Schilde erschallet,

Schlachtruf tönt fort und fort.

„Wir wollen uns schützen und schirmenVor römischem Uebermut!Wir wollen Aliso erstürmen,

20Vernichten Römerbrut!

[91]Hier halle den römischen Heeren

Ein trotzig deutsches: Halt!Hier werden die Völker sich wehren,Am Weserfluß und -Wald.

25„Hier werden sie kämpfen und stehen

Für ihr germanisch Recht,Und werden als Sieger sich sehenIm heiligsten Gefecht!“ –

Cheruskas Fürst an der Spitze,

30So ziehen sie in den Streit,

Vernichten wie rächende BlitzeDie römische Herrlichkeit.

Die Römer, die leicht überschritten,Den breiten, stolzen Rhein,

35Sind nicht an der Weser gelitten.

Die Weser kann befrein. –

So war es vor uralten ZeitenAls solches hier geschah.Und wieder gilt es zu streiten –,

40Ist denn kein Hermann da?

Kein Hermann und keine GermanenZu Schutz und Trutz bewehrt,Die heilige Freiheit der AhnenZu wahren mit dem Schwert?

45[92]Die Werra und Fulda, die beiden,

Die haben’s wohl erkannt,Die wollen zusammen durchgleitenVereint das Vaterland.

Die sind längst zusammen gezogen

50Durch Deutschlands Au und Hain.

Es flüstern und murmeln die Wogen:„Die Weser kann befrein!“

Und die an den Ufern es hören,Vertrauen ihr sich an,

55Und ziehen in traurigen Chören

Zu ihren Schiffen heran.

Und fliehen vom heimischen Lande,Dem fremden sich zu weihn,Und flüstern zum Meer noch vom Strande:

60„Die Weser kann befrein!“

Leb wohl o germanische Erde,Uns winkt Amerika – –Sie rufen’s mit Trauergebärde – –Ist denn kein Hermann da?

65Kein Hermann und keine Germanen,

Daß Deutschland verzweifeln muß,Verdienen die heiligen AhnenNur einen Abschiedsgruß?

[93]Und was aus uralten Zeiten

70Die Weser noch erzählt –!

Ihr sollt es so falsch nicht deuten,Daß Ihr Auswanderung wählt! –

Die Werra und Fulda, die beidenDie haben’s wohl erkannt,

75Die möchten vereint durchgleiten

Ein einig Vaterland.

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