Zur Kriegserklärung 1870

[267]Zur Kriegserklärung 1870.

Schon in der Jugend MorgentagenFühlt ich mich als ein Kind der ZeitUnd ihrem Hoffen, ihren FragenWar stets mein Wort, mein Lied geweiht.

5Mein ganzes Herz, mein ganzes Leben

War nur erfüllt von einem Ziel:Mich an mein Volk dahin zu geben,Welch’ Schicksalslos mir sonst auch fiel.

Schon als dies Volk noch harmlos träumte,

10Noch still in Ketten lag und schlief –

Als Morgenrot den Himmel säumteUnd Lerchenlied nach Freiheit rief: –

Da rief ich mit und rief so langeBis daß er kam, der Freiheit Tag –

15Doch nicht zertreten ward die Schlange,

Die zuckend nur zu Boden lag.

In einer Zeit voll Schmach und Leiden,Die für uns all’ verhängnisvoll,Zu Harfenspiel an Trauerweiden

20Doch noch mein tröstend Lied erscholl!

[268]Und nun, da Deutschland sich erhoben,

Ein einig Volk zum Kampf ersteht,Die deutschen Klingen zu erprobenDem Feinde stolz entgegengeht,

25Dem Feind, vom zitternden Tyrannen

Zu einem frechen Krieg gehetzt,Der, um die Freiheit neu zu bannenSogar das Völkerrecht verletzt:

Nun gilt es Schlachtenlieder singen

30Dem deutschen Vaterland geweiht,

Nun gilt’s, die deutschen Fahnen schwingenIm Dienst der neuen, bessern Zeit.

O, daß sie endlich, endlich nahteUnd sei sie auch mit Blut getauft,

35Die Freiheit wird auf keinem Pfade

Zu teuer und zu schwer erkauft.

Die Freiheit – wollt’ es nie vergessen –Auch Deutschlands Einheit hat nur Wert,Wenn wir sie nach dem Segen messen,

40Den sie dem ganzen Volk beschert.

O, deutsches Volk – auf, auf zum SiegeUnd stürze Frankreichs KaiserthronUnd Losung sei in diesem Kriege:Die Freiheit nur ist Siegeslohn.

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