Zur Zeitgeschichte
[35]Zur Zeitgeschichte
1842.
Nicht sing ich jetzt von inn’rem Leid und Glücke,Das einzig meiner Seele nur gehört –Ich weise meines Schicksals Weh zurücke,Vom Gramversinken bin ich aufgestört,
5Der Gegenwart gilt’s ganz und gar zu leben,
All ihren Stürmen will ich hin mich geben,Auf ihrem Meere gilt es mit zu schiffen,Und seine Brandung hat auch mich ergriffen.
Noch ist’s nicht lang – da klopften in die Hände
10Wir jubelvoll zum Zollverein-Beschluß,
Der mancher engen Schranke setzt ein EndeDurch das der Völker Trennung fallen muß.Nicht lange ist’s daß uns die EisenbahnenZum schnellen Anschluß an die Nachbarn mahnen,
15Die Deutschen nun zu Kindern eines Landes
Geeint im Segen eines Liebesbandes.
Und drauf am Rhein, in dem ein Hort begrabenVon deutscher Freiheit liegt noch ungehoben,Da klang ein Lied: „Sie sollen ihn nicht haben!“
20[36]Als Frankreich drohte, klang mit Trotzes Toben;
Und eh’ verhallt das Lied – ein neu GetönVom Rheine her wie Glocken hell und schön:Vollendet wird der Dom – es muß gelingenMit Gott wird deutscher Geist das Werk vollbringen!
25Der Dom in Köln zur Ehr dem Christengotte –
Doch dient dem Gott der Freiheit nicht die Welt?Noch ein Lied braust – es gilt der deutschen Flotte,Dem deutschen Banner, das ihr zugesellt.So rief Begeisterung mit kühnen Sehnen
30Durchs Vaterland mit immer neuen Plänen,
Da plötzlich drang ein Schreckensruf in’s Land:„Schweigt!“ donnerts laut – „denn Hamburg steht in Brand!“
Wie einst im Feuerbusch der Herr erschienenDem heilgen Manne im gelobten Land,
35Erschien er jetzt und weckt uns ihm zu dienen
Durch Feuersgluten jählings uns gesandt!Aus seinen Trümmern steige Hamburg wiederSchön wie ein Dom und stark wie mächtge Türme,Zu seinem Aufbau rufen deutsche Brüder:
40Das ganze Deutschland steht dem Bau zum Schirme.
Nun lenkt nach Hamburg jedes Herz das SteuerUnd unsre Liebe macht das Fahrzeug flott.
[37]Zur alten Hansa ziehn wir, ihr getreuer
Verbündeter, das ist ein Wink von Gott!
45Ein Wink das Deutschland jetzt ein Volk geworden!
So schaun wir lächelnd durch der Zukunft Pforten:Da steht das Vaterland in neuem GlanzEin alter Baum doch stark und frei und ganz.
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