Auf der Reise (Tieck)
Auf der Reise.
Auf Wiesen, in Wäldern,An Strömen, auf FeldernQuillt glühendes Leben,Die Bäume sie streben
5 Zum Himmel hinan.
Es fliehen mit EilenDie Quellen von steilenGebirgen und suchen sich ebene Bahn,Durch Dornengesträuche,
10Vorüber der Eiche,
Dem Wurzelgeflecht;Und rund um die QuelleBesieht sich in jeder fortschleichenden WelleDer kindischen Blumen neugierig Geschlecht.
15In Steinklüften suchen
Die glänzenden BuchenGenügsamen Raum,Sie zittern und nickenUnd rauschen und schmücken
20 Den felsigen Saum.
So findet die QuelleDer Baum sein StelleUnd treibet sich’s recht:So dauert, geneset,
25Und stirbt und verweset
Zufrieden so manches gebohrne Geschlecht. –Nur der Mensch geht in der Irre,Will heut hier seyn, morgen dort,Alle Sinne im Gewirre
30 Sucht er stets den fernen Ort.
Will nicht in der Heimath dauernWeithin dehnt er seinen Blick,Wandert unter RegenschauernUnd sieht dann mit bangem Trauern
35 Nach dem erst verschmähten Glück.
Wie in monderhellten HainenWolken durch den Himmel fliehn,Bald die Bäume glänzend scheinen,Schatten wieder abwärts ziehn:
40Also auch des Menschen Seele,
Daß er durch sein ganzes LebenRastlos auf und ab sich quäleWard die Sehnsucht ihm gegeben. –
Doch wohl mir, ich fühle
45 Zerreißen das Band!
Ich nahe dem ZieleDas fern und ferner seit lange mir schwand.Das bängliche SchwankenDas nüchterne Kranken,
50 Vorüber an mir! –
Wie soll ich dir danken?O Liebste! o sprich, wie vergelt ich es dir?
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