Kunst und Liebe

Kunst und Liebe.

Wandeln nicht viele Geister schon im Orkus,Weil der Körper noch träge hier sich quälet,Sonn’ und Mond sie wechseln und gehn vorüber,Sieh, er bemerkt’s nicht.

5Wunderlich stehn sie da im Frühlingslichte,

Umgetrieben von tosenden Weltgeschäften;Keinen Ton der singenden Schöpfung in ihrEnges Gefängniß!

Gütige Gottheit! höre, was ich bitte,

10Noch thun rauschende Wälder, bunte Blumen,

Nachtigallen, Lerchen, das FrühlingslebenMit mir befreundet;

Thränen bezahl’ ich noch den großen Meistern,Ihre Schöpfung entrückt mir weltlich Treiben,

15Daß ich gleich dem Trunkenen frölich taumle

Sonnengeblendet,

Ach! und in schönerm Wahnsinn fliegt mir selberKunst mit allen den Meistern traumgleich abwärtsUnd im einsam glänzenden Aether bleibt nur

20 Ich und die Liebe,

Gönne mir noch dies schöne Jugendleben;Laß zum nüchternen Hohn mich nie erwachen,Daß ich ernst und weise dann auf mich selberLächle voll Mitleid.

25Wird die Natur mir fremd und denk’ ich nicht mehr

Zitternd, Rafael, klingt ihr süßer NahmeNicht im Herzen, schnell o ihr gütgen ParzenReißet den Faden!

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