Der Leitstern (Uhland)
Der Leitstern.
Der ausfuhr nach dem Morgenlande,Des fremden Schiffes leichte Last,Schon führt er zu der Heimath Strande,Von Golde schwer, den eignen Mast.
5Er hat so oft nach keinem Sterne,
Wie nach dem Liebesstern, geschaut.Der lenkt’ ihn glücklich aus der FerneZur Vaterstadt der theuren Braut.
Noch hat er nicht das Ziel gefunden,
10Obschon er in die Thore trat;
Wie mag er gleich die Braut erkundenIm Labyrinth der großen Stadt?
Wie mag sein Auge sie erlauschen?Der Blick ist überall verbaut.
15Wie mag er durch der Märkte Rauschen
Vernehmen ihrer Stimme Laut?
Dort ist ein Fenster zugefallen,Vielleicht hat sie herausgeschaut;Hier dieses Schleiers eilig Wallen,
20Verbirgt es nicht die theure Braut?
Schon dunkeln sich die Abendschatten,Noch irrt er durch die Straßen hin;Die Füße wollen ihm ermatten,Das rege Herz doch treibet ihn.
25Was hält er plötzlich staunend inne?
Horch, Saiten! welcher Stimme Laut!Umsonst nicht sah er ob der ZinneDen Liebesstern, dem er vertraut.
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