Die Nachtschwärmer (Uhland)
3. Die Nachtschwärmer.
Eines schickt sich nicht für Alle;Sehe Jeder, wie er’s treibe,Sehe Jeder, wo er bleibe,Und wer steht, daß er nicht falle!
Goethe.
Der Unverträgliche.
Stille streif’ ich durch die Gassen,Wo sie wohnt, die blonde Kleine;Doch schon seh’ ich Andre passenUnd mir war’s im Dämmerscheine,
5Einer würd’ hineingelassen.
Regt es mir denn gleich die Galle,Daß sie Andern auch gefalle?Sey’s! doch kann ich nicht verschweigen:Jeder hab’ ein Liebchen eigen!
10Eines schickt sich nicht für Alle.
Der Hülfreiche.
Zu dem Brunnen, mit den Krügen,Kömmt noch spät mein trautes Mädchen,Rollt mit raschen, kräft’gen ZügenHusch! die Ketten um das Rädchen;
5Ihr zu helfen, welch Vergnügen!
Ja! ich zog mit ganzem Leibe,Bis zersprang des Rädchens Scheibe.Ist es nun auch stehn geblieben,Haben wir’s doch gut getrieben,
10Sehe Jeder, wie er’s treibe!
Der Vorsichtige.
Zwölf Uhr! ist der Ruf erschollenUnd mir sinkt das Glas vom Munde.Soll ich jetzt nach Haus mich trollenIn der schlimmen Geisterstunde,
5In der Stunde der Patrollen?
Und daheim zum ZeitvertreibeNoch den Zank von meinem Weibe!Dann die Nachbarn, häm’sche Tadler! –Nein! ich bleib’ im goldnen Adler,
10Sehe Jeder, wo er bleibe!
Der Schwankende.
Ei! was kann man nicht erleben!Heute war doch Sommerhitze,Und nun hat’s Glatteis gegeben;Daß ich noch auf’s Pflaster sitze,
5Muß ich jeden Schritt erbeben;
Und die Häuser taumeln alle,Wenn ich kaum an eines pralle.Hüte sich in diesen ZeitenWer da wandelt, auszugleiten,
10Und wer steht, daß er nicht falle!
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