Freie Kunst

Freie Kunst.

Singe, wem Gesang gegeben,In dem deutschen Dichterwald!Das ist Freude, das ist Leben,Wenn’s von allen Zweigen schallt.

5Nicht an wenig stolze Namen

Ist die Liederkunst gebannt;Ausgestreuet ist der SamenUeber alles deutsche Land.

Deines vollen Herzens Triebe,

10Gib sie keck im Klange frei!

Säuselnd wandle deine Liebe,Donnernd uns dein Zorn vorbei!

Singst du nicht dein ganzes Leben,Sing doch in der Jugend Drang!

15Nur im Blüthenmond erheben

Nachtigallen ihren Sang.

Kann man’s nicht in Bücher binden,Was die Stunden dir verleihn:Gib ein fliegend Blatt den Winden,

20Muntre Jugend hascht es ein.

Fahret wohl, geheime Kunden,Nekromantik, Alchymie!Formel hält uns nicht gebunden,Unsre Kunst heißt Poesie.

25Heilig achten wir die Geister,

Aber Namen sind uns Dunst;Würdig ehren wir die Meister,Aber frei ist uns die Kunst.

Nicht in kalten Marmorsteinen,

30Nicht in Tempeln, dumpf und todt:

In den frischen EichenhainenWebt und rauscht der deutsche Gott.

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