Graf Eberstein (Uhland 1815)
Graf Eberstein.
Zu Speier im Saale, da hebt sich ein Klingen,Mit Fackeln und Kerzen ein Tanzen und Springen.Graf EbersteinFühret den Reihn
5Mit des Kaisers holdseligem Töchterlein.
Und als er sie schwingt nun im luftigen Reigen,Da flüstert sie leise, sie kann’s nicht verschweigen:„Graf Eberstein,Hüte dich fein!
10Heut Nacht wird dein Schlößlein gefährdet seyn.“
Ei! denket der Graf, Euer kaiserlich’ Gnaden,So habt Ihr mich darum zum Tanze geladen!Er sucht sein Roß,Läßt seinen Troß
15Und jagt nach seinem gefährdeten Schloß.
Um Ebersteins Veste da wimmelt’s von Streitern,Sie schleichen im Nebel mit Hacken und Leitern.Graf EbersteinGrüßet sie fein,
20Er wirft sie vom Wall in die Gräben hinein.
Als nun der Herr Kaiser am Morgen gekommen,Da meint er, es seye die Burg schon genommen.Doch auf dem WallTanzen mit Schall
25Der Graf und seine Gewappneten all.
„Herr Kaiser! beschleicht ihr ein andermal Schlösser,Thut’s Noth, Ihr verstehet auf’s Tanzen Euch besser.Euer TöchterleinTanzet so fein,
30Dem soll meine Veste geöffnet seyn.“
Im Schlosse des Grafen, da hebt sich ein Klingen,Mit Fackeln und Kerzen ein Tanzen und Springen.Graf EbersteinFühret den Reihn
35Mit des Kaisers holdseligem Töchterlein.
Und als er sie schwingt nun im bräutlichen Reigen,Da flüstert er leise, nicht kann er’s verschweigen:„Schön Jungfräulein,Hüte dich fein!
40Heut Nacht wird ein Schlößlein gefährdet seyn.“
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