Maiklage

Maiklage.

Leuchtet schon die FrühlingssonneUeber See und Aue hin?Hat zur Stätte stiller WonneSich gewölbt der Zweige Grün?

5Ach! die Gute, die ich meine,

Schenkt mir keinen Maienstral,Wandelt nicht im Blüthenhaine,Ruhet nicht im Quellenthal.

Ja! es waren schönre Zeiten,

10Als in buntbekränzten Reihn

Hirten mit den süßen BräutenWalleten zum Opferhain;Als die Jungfrau, Krüge tragend,Oft zum kühlen Brunnen trat,

15Und der Wandrer, sehnlich fragend,

Sie um Trunk und Liebe bat.

Ach! das Toben roher StürmeRiß den goldnen Frühling fort.Schlösser stiegen auf und Thürme,

20Traurig saß die Jungfrau dort;

Lauschte nächtlichem Gesange,Sah hinab in’s Schlachtgewühl,Sah es, wie im WaffendrangeIhr getreuer Streiter fiel.

25Und ein Alter, dumpf und trübe,

Lagerte sich auf die Welt,Das die schöne JugendliebeWie ein Traum befangen hält.Im Vorübereilen grüßen

30Sich mit Blicken, voll von Schmerz,

Die sich fest und ewig schließenMöchten an das treue Herz.

Welkt, ihr Blumen und ihr Bäume,Höhnet nicht der Liebe Schmerz!

35Sterbet auch, ihr Jugendkeime!

Schmachte hin, du volles Herz!In die öde Nacht der GrüfteSinkt, ihr Jünglinge, hinab!Flieder wallen in die Lüfte,

40Rosen blühn um euer Grab.

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