Die alte Jungfer
[72] DIE ALTE JUNGFER
Niemand zu Liebe, niemand zu Last,Ist sie erloschen und verblaßt.
In ihrem Stübchen sann sie und sannBis ihr einsames Leben darüber verrann.
5Keiner hat nach ihr die Hand ausgestreckt
Und die flügelgebundene Seele erweckt.
Keiner hat in der SommernachtZu seligem Weinen sie gebracht.
Und doch flogen Locken auch ihr ums Gesicht,
10Und ihre Augen glänzten jung und licht;
Und doch schlug auch ihr in verschwieg’ner Brust,Die Sehnsucht nach Sonne und Frühlingslust.
Niemand zu Liebe, niemand zu Last,So ist sie erloschen und verblaßt.
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