Sitten, Gebräuche, Aberglauben, Sagen (Gmünd)

Und muß das Kreuz getragen sein,So sei’s in Gottes Namen;So geb’ ich meinen Willen d’rein,Sonst seyn zwei Kreuz beisammen.

Sieh Vater! sieh’ herab vom Thron,Mein Stund’ bereits erscheint!Verklär’ nun deinen liebsten Sohn,Mit deinem Willen stets vereint!Ich hab’ ja von des Himmels SaalMich auf die Erd’ begeben,Und g’führt in diesem JammerthalEin armuthsvolles Leben.Sehr eifrig hab’ ich nachgetrachtNur deinem höchsten Willen,Du weißt, ich suchte Tag und NachtDenselben zu erfüllen.

O Schmerz! o Schwert! von SimeonSchon längst mir vor verkündet!O Zeit! o Stund! – o liebster Sohn!Was Qual mein Herz empfindet!So soll ich denn, o liebstes Kind,Dich ferner nicht mehr sehen?!Auch ich bei dir, wenn Gnad’ ich find’,In Tod mit dir will gehen!

Es dünket uns, es sei das Best’,Man laß es heut noch bleiben;Man kann es nach gehalt’nem FestMit größ’rem G’walt betreiben.

Ihr Herren, weis’ und hochgelehrt,Hört mein gerechtes Klagen!Mein Meister ist es nicht mehr werth,Daß ihn die Erd’ soll tragen.Sein Jünger ich mich schäm’ zu sein,So boshaft ist sein Leben,Ich ihn an Euch will liefern ein,Sagt, was ihr mir wollt geben?

Gelt Jesu! jetzt hab ich eins dirRecht meisterlich versetzet,Erfahren wirst jetzt bald von mir,Wie hoch dich Judas schätzet.Ich muß mich doch noch stellen an,Als wäre ich den Freunde.Damit vermerken niemand kann,Daß Judas sein dein Feinde.

Kommet, ihr Kinder, all’ zusammen,Helft mir loben Gottes Namen!

Jetzt und bis in Ewigkeit,Sei sein Nam gebenedeit!

Wo die Sonn pflegt aufzustehen,Wo sie unter pflegt zu gehen,

Ist der Nam’ des Herrn bekannt,Hochgelobt in alle Land!

Alle Völker hin und wiederSeind dem höchsten Gott zu nieder;

Und die Himmel nicht so breit,Als sein Lob und Herrlichkeit.

Wer wie unser Herrscher thronet,In dem Himmel? welcher wohnet.

In dem Himmel und auf ErdWird von ihm die Demuth g’ehrt.

Die im Staub der Erde lagenDankbar werden annoch sagen:

Er hat uns zu Fürsten g’macht,Und uns hoch das Volk jetzt acht!

Kommt, ihr Kinder all’ zusammen,Helft mir loben Gottes Namen!

Jetzt und bis in EwigkeitSei sein Nam’ gebenedeit!

Jetzt sieh ich selbst sein Zauberkünst’,Ich hab’ es selbst erfahren;Sag keiner mir von Hirngespinnst.Sonst stech’ ich ihm den Staaren.

O Meister, sei auf’s Schönste mirZu tausendmal gegrüßt,

O Freund! was gabe Anlaß dir,Daß du mich so geküssest?Wenn auch du warst entschlossen schon,Von mir ganz abzuweichen,Warum verrathst des Menschen SohnDurch dieses Freundschaftszeichen?

Was? du mit HohenpriesternSollst also dürfen sprechen?Sieh so pflegt man derselbigenVerletzte Ehr’ zu rächen!

O Angst! mein liebendes MutterherzWird allzusehr beklemmet.All’ Augenblick sich mehrt der Schmerz,Wer ist, der selben hemmet?O Sohn! dein Leiden ist mein Pein,Dein Leben ist mein Leben!

Wer gibt mir, so beglückt zu sein,Für Dich, mein Seel’ zu geben?Ach, schone deinen Sohn, o Gott,Ansonst auch mir nit schone!Verein’ zur höchsten Gnad’ im TodDie Mutter mit dem Sohne.

Er sterbe! – Seinen Tod wollen wir!Kein Gnad’ soll er erlangen!Pilato ihn gleich führ man für,Am Kreuzholz muß er hangen.

Ihr habt vorher mir diesen MannZu richten übergeben;Doch weil kein Schuld ich finden kann,So laß ich ihne leben!

Ach Weh! ach Weh! ach Bitterkeit!Ach Elend! Noth in Ewigkeit!Hätt’ ich den Meister nit verrathen,Müßt ich nit ewig, ewig braten!O Feu’r! o Flamm! o Hitz! o Glut! etc. etc.

Ein Kindlein geboren war,Zu Bethlehem im Stall,Das alle Ding vermag,Sein Nam’ heißt Jesu Christ,Der geboren ist etc. etc.

Da kommen wir her von allen Gefahren,Wir wünschen den Herrn glückseligs neues Jahr,Glückseligs neues Jahr, eine fröhliche ZeitDas Gott vom Himmel ra geit etc.

Die heiligen Dreikönig mit ihrem Stern,Sie kamen alle drei aus Morgenland her,Herodes schaut zum Fenster r’aus,Sprach: ihr lieben drei Herrn, wo wollt ihr hin?Sie sprachen: Nach Bethlehem, wo Jesus geboren ist,Sein Nam’ heißt Jesus Christ etc. etc.

„Gut’s Jahr, gut’s Jahr„Bis Jahr das Korn„Gut g’rath bis Jahr.

1) Sct. Sebaldi-Kirchweih in der Waldstettergasse,2) Sct. Georgi-Kirchweih in der Ledergasse,3) Sct. Salvator-Kirchweih in der Bocksgasse,4) Spital-Kirchweih beim Spital,5) Sct. Johannis-Kirchweih,6) Dominikaner-Kirchweih in der Predigergasse,7) Sct. Margaretha-Kirchweih in der Rinderbachergasse,

8) Sct. Nikolaus-Kirchweih auf dem kalten Markt,9) An Maria Geburt in der Schmiedgasse,10) An der Kapuziner-Kirchweihe in der Kapuzinergasse,11) Sct. Michaeli-Kirchweih in der Franziskanergasse,12) Sct. Ursula-Kirchweih in der Pfarrkirchengasse.

Da kommen wir her von Bangen,Mit Prügeln und mit Stangen,Veit, Veit gloria, heiligs SchlüsseleinBringen, wird ein Scheitle bringen,Scheitle raus, Scheitle raus,Glück und Heil in’s Haus!Sitzt ein junger Herr (Frau etc.) im Haus,

Werft uns auch ein Scheitle raus,Scheitle raus, Scheitle raus,Glück und Heil in’s Haus!

Lieber Sct. Veit,Gib uns auch ein Scheit,Liebe Sct. Martha,Laß uns nicht so lang warta.

„Lächelnd neigt das Bild sich niederAus der lebenslosen Ruh’,Wirft dem armen Sohn der LiederHin den zweiten gold’nen Schuh!Mit Erstaunen sieht’s die Menge,Und es sieht nun jeder Christ:Daß der Mann der VolksgesängeSelbst den Heil’gen theuer ist.“

Die Ritter von dem Rosenstein,Sie ritten aus beim Sonnenschein,Sie ritten aus mit ihren Knappen,

Wenn mit den düstern Nebelkappen

Die Berge regendurstig nicken,

Und in die Eb’ne finster blickten.Ja, wenn das Wetter blitzt und kracht,Sie ritten aus in schwarzer Nacht;Denn immer war der Fang gelungen,

Wenn durch die stillen Niederungen

Ein Wandersmann, ein Kaufherr zog,Und sich’re Fahrt die Straßen log.Jetzt zogen sie an einem Morgen,Noch war die Welt in Schlaf geborgen,

Von ihrem hohen Felsen aus,

Zur Eb’ne nach dem Gotteshaus,Das hob sich aus den grünen MattenIn seiner Linden kühlem Schatten,Als fürchtet es, umrankt mit Laub,

Von kühner Seite Hohn und Raub.

Es hiengen an den schmucken Wänden,Gestiftet rings von frommen Händen,Die Weihgeschenke silbern, golden,Marien dargebracht, der holden,

Dem Gläubigen zur Augenweide,

Dem Räuber zur geheimen Freude.Dahin lenkt sich der Ritter Zug,So rasch gieng nie der Pferde Flug;Der Boden ist so fest und trocken,

Die goldnen Sonnenstrahlen locken,

Und höhnend spricht die freche Schaar:Wie ist der Himmel hell und klar,Unendlich wolkenlos und blau!Maria winkt, die schöne Frau,

Dort aus der Fenster Glanz verstohlen,

Die Gaben ihrer Gunst zu holen.Ein einzig Silberwölklein helleSchwebt lächelnd über der Kapelle!Die Reiter flügeln ihren Lauf;

Die kleine Wolke steiget auf –

Erst duftig in dem Sonnenlichte,Drauf sich entfaltend Schicht’ auf Schichte.Sie traben an von Glut ermattet,Da fühlen sie sich jäh beschattet.

Die Sonn’ ist hin, die Wolke grau

Lauft über in des Himmels Blau. –„Was ist’s? noch schreckt uns nie ein Regen!Dort winkt uns die Kapell’ entgegen!“Sie springen rüstig an zum Ziele;

Herab vom Roß, hin geht’s zur Diele,

Sie treten zu den Hallen ein,Die Jungfrau sehn sie in der feuchtenGesteine Glanz entgegenleuchten:Ausstrecken sie die freche Hand,

Da zückt es durch die Deckenwand,

Ein einz’ger Blitzstrahl fährt hernieder;Die gold’nen Wände leuchten wieder,Die ganze Wolke rauscht herein,Ein Regenguß durch Wand und Stein;

Es schwemmt der wilden Räuber Leichen,

Begleitet von des Donners StreichenFort aus dem Heiligthum mit Macht,Da leuchtet neu der Sonne Pracht,Da lacht das Feld verklärt, erneuet,

Die ganze Schöpfung steht erfreuet,

Es wölbt ein seliges Himmelsblau,Sich über dem geschirmten Bau.

„Laß ihn pochen, laß ihn pochen!Liebchen, wer auch draußen ist.Sollst mir ja mein Leibmahl kochen,Weil du noch alleine bist!“

Herd und Küche steh’n in Flammen,

Sprach’s der Buhle vor der KüchenZu der falschen Edelfrau;Aber draußen zahlt’s mit FlüchenVor dem Schloß im Waldesgau.

An dem Feuer stand die Böse:

Macht sie nur die Gluth so roth?Der herein will mit Getöse,Ist ihr Mann oder ist der Tod.

Beide nahen der mit Schrecken,

Die gebrochen hat die Zucht.

Schauer kommen wohl der Kecken,Ja, ihr Mann ist’s, der sie sucht.

Aus dem Wald kommt er gezogen,Abends auf die kurze Jagd,

Nach dem Buhlen hergeflogen,

Eh’ die Schande wird vollbracht.

Und sie rührt mit beiden Händen,Gießet Milch und mischet Salz,Zwischen rothen Feuerbränden

Prasselt in dem Topf das Schmalz.

„Weib wirst du nicht ein mich lassen,Haut mein Schwert entzwei das Thor!“Und die Falsche muß erblassen,Und der Buhle fährt empor.

Eilt zum Stall nach seinem Pferde

Sich zu retten vor der Wuth.Und es läuft die Frau vom Herde,Steigt hinab im kranken Muth.

Doch die Welle zürnt im Kessel,

Und die Flamme leckt hinein,

Und das Feuer bricht die Fessel,Lodert auf in wildem Schein!

Herd und Küche steh’n in Flammen,Eh’ die Hausfrau d’runten ist,

Schlägt die Glut um sie zusammen,

Gönnt dem Buhlen keine Frist.

Durch die Wände fährt das FeuerUnd der heiße RachegeistFrißt an Haus und Hof und Scheuer,

Bis die letzte Fuge reißt.

Mit dem Jagdspeer und dem HundeSteht der Ritter vor dem Haus,Und es wirft ihm aus dem SchlundeDie verbuhlten Leichen aus.

Da entwandelt er zum Haine

In der letzten Flamme Schein;Baut sich aus dem Schutt der SteineEine Hütte, schwarz und klein;

Birgt sich vor dem Licht der Sonne,

Fristet kaum des Lebens Last,

Jagt im Walde sonder Wonne,Legt sich nieder ohne Rast.

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