An einem leisen Bach

[56] An einem leisen Bach.

An einem leisen Bach auf grünem SteinLag abendstill ein Sonnenschein,Wohl größer kaum als eines Menschen Angesicht,Jedoch ein heimlich-wunderbares Licht.

5Ich kniete still ins Laub, und dieses Leuchten sprach

Von einer sanften Frau, die einst des Kranken pflegte,Vom Zweige über mir die schönste Blüte brachUnd lächelnd mir aufs weiße Kissen legte …In ferner Frühe war’s, ein Kindheitstag,

10Da unter Bäumen ich gebettet lag …

Wo bliebst du, holde Frau? Nie fand ich deine Spur.Du warst ein tiefes Glück, drum kamst du einmal nur.Nur einmal – fröstelnd schreck’ ich auf und seh mich um –Mein redend Licht erlosch. Die Welt ist stumm. –

15Und sehnend sucht’ ich heut’ den alten Stein –

Auf Moos und Welle glomm ein toter Sonnenschein.Nie kehrt der Glanz von gestern mir zurück,Das weiß ich wohl. Er war ein Menschenglück.

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