Angelika
[79] Angelika.
Von der raschen Lebenswelle,Die mein Herz durchfloß,Die in sel'ger StundenschnelleBrausend dich umschloß,
5Von der Liebe Schönheitsrausche
Taumelnd übermannt,Hab ich oft im Liebestausche„Engel“ dich genannt. –
Schweigend Platz an unserm Tische
10Längst die Sorge nahm;
Deiner Wangen holde FrischeTilgt ein früher Gram.
Seh's mit nagender Beschwerde,Seh's mit stiller Qual,
15Wie du jenen Gast am Herde
Nährst mit deinem Mahl;
Und ich seh es doch voll Wonnen,Die kein Wort beschreibt,Daß so fest und treugesonnen
20Deine Liebe bleibt.
Hielt' ich gern ein Leid verborgen,Nimmst du's dennoch wahr;Denn die Sprache stummer SorgenIst dir offenbar.
25Was uns einst so fest umschlungen,
Hält uns noch geeint:Tränen, die ich still bezwungen,Hast du still geweint. –
Oft umspinnen lichte Träume
30Die Gedanken mir,
Durch des Hauses traute RäumeFolgt mein Auge dir:
Eine Hülle seh ich fallenWie ein irdisch Kleid,
35Einen Schimmer dich umwallen
Wie aus künft'ger Zeit.
Und in solcher LiebesstundeErnst verschwieg'nem GlückKehrt mir immerdar zum Munde
40Jenes Wort zurück,
Jenes Wort, im Rausch gesprochenUnd im Traum der Lust,Noch im Klange ungebrochenKlingt's in meiner Brust:
45Denn der Liebe sonder Klage
Rührende GewaltWandelt mehr mit jedem TageDich zur Lichtgestalt.
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