Aus einer Nacht

[92] Aus einer Nacht.

Und wieder müd', zerschlagenKam er am Abend heim,Und wieder schwoll im HerzenEin alter, böser Keim:

5Der Keim des Wahnsinns, den er

In stummer Seele trug –Ob Wahnsinn noch mit LachenEinst seine Welt zerschlug?

Denn der Gemeinen Frechheit

10War stärker als sein Mut,

Und kälter war die RoheitAls – ach, sein heißes Blut.

Und schlauer war die DummheitAls sein beschwingter Geist,

15Und stets an allem Ende

Stand er allein – verwaist.

Er fiel aufs harte Lager,Und war ihm recht zu Sinn,Als flöss' aus tiefer Wunde

20Sein Leben ganz dahin.

[93] „Laß rinnen und verrinnen!

Ich stille nicht das Blut.Kein Hoffen, kein Verzweifeln:So ist mir's wohl und gut.“

25Doch wieder aus dem Dunkel

Brach Hoffnung licht hervor –Doch wieder aus der TiefeVerzweiflung fuhr empor –

Er krampfte wild die Hände:

30Es möchte stille sein!

Und weckte selbst sich immerZu neuer, neuer Pein.

Sein Knäblein schlief daneben,Das hat sich laut geregt

35Und hat im Traum das Händchen

Ihm auf die Stirn gelegt.

Das war ein Gruß vom Leben!Was klang so sanft und hell?Natur wollt' ihn erquicken

40Aus einem jungen Quell.

Auf seine Augen drückt' erDas Händchen leis und weich,Da quollen schwere TränenUnd quollen warm und reich.

45[94] Und sah die feinen Finger

Mit mild bewegtem Sinn –Und sprach auf dieses HändchenSein Leid still vor sich hin.

Und als das Licht der Kerze

50Verschmachtet ging zur Ruh,

Sah er dem letzten ScheineMit stiller Hoffnung zu.

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