Die schlafenden Tage

[54] Die schlafenden Tage.

Kennst du die schlafenden Tage?

Da kommt die leuchtende Sonne nicht,Verloren hat sie ihr Flammenlicht;Ein träger Schimmer fließt herab;

5Die Welt ist umschattet wie ein Grab.

Über der Dächer, der Türme BauSchleicht ein ewiges Wolkengrau.Du bist allein – und die Welt des LichtsIst versunken ins schweigende Nichts. –

10Wohl kenn’ ich die schlafenden Tage!

Da ruht das Herz, und mit leisem SchlagFolgt es dem still verrinnenden Tag;Nur in den Adern rollt das Blut,Verborgen rinnt die Lebensflut.

15Die Stille, die das All durchfließt,

Allmächtig sich ins Herz ergießt –Kein Glück, kein Schmerz durchglüht die Brust,Vergessen ist alles: Leid und Lust –

Ich liebe die schlafenden Tage.

20[55] Die schlummeratmende Seele schafft

Für den kommenden Kampf die siegende Kraft,Die Kraft, die das blühende Glück erträgtUnd die kein Unglück zu Boden schlägt.Hoch von den ziehenden Wolken auch

25Weht hernieder ein Geisterhauch:

„Not ist Freude, Freude Not,Tod ist Leben und Leben ist Tod.“

Kennst du die schlafenden Tage?

Comentarios

Cargando comentarios…