Einem Sommer
[4] Einem Sommer.
Sommer, eh’ du nun entwandelstÜber sonnenrote Höhn,Soll dir meine Seele sagen,Wie du mir vor allen schön!
5Wähne nicht, daß meinem Herzen
Sommer so wie Sommer sei;Seltsam wie der Wolken WandelZiehn die Zeiten ihm vorbei.
Und wie du hervorgetreten
10Aus der Zukunft ernstem Tor,
Atmete aus dumpfen Qualen,Atmete dies Herz empor ...
Dankbar will ich das nun singen:Wie die Wiese lag im Glanz
15Und du gingst am Rand im Schatten,
Und dein Gehn war Klang und Tanz –
Wie auf Wolken du gefahren,Deren Weg dein Hauch gebeut,Wie du in den hohen Himmel
20Weiße Rosen hingestreut –
Wie du aus des Nußbaums WipfelDurchs Gezweige sahst herab –Wie du rote Blüte gossestÜber ein versunknes Grab –
25[5] Wie im Wald am schwarzen Stamme
Stumm du standest, schwertbereit,Als ein sonnenblanker RitterAus verklung’ner Heldenzeit -
Wie du alle Glocken schwangest
30Zum beglühten Turm des Doms –
Wie du rötlich hingewandeltAuf der Wellenflur des Stroms,
Oder wie du braun von WangenWestlich schrittest durch das Feld
35Und mit einer Amsel Tönen
Leis’ erweckt die Sternenwelt ...
Hoher, ehe du entwandelstIn den Saal „Vergangenheit“,Nimm mit dir wie Hauch der Felder
40Diesen Hauch der Dankbarkeit!
Wo gestorb’ne Sommer wandelnHinter nachtumraunten Höhn,Wo nur Schatten dich umschweigen,Soll er singend mit dir gehn.
Comentarios
Cargando comentarios…