Erscheinung

[51] Erscheinung.

Eine düst’re Wolke seh’ ich schwimmenDurch den abendlichen Himmelsraum.Nur um ihres Scheitels Zacken glimmenZarte Lichter wie ein Flockensaum.

5Gleichwie starrgewalt’ge Bergesschroffen

Ragt die Wolke hoch in den Azur.Doch um ihre Stirne lichtgetroffenHängt des Alpenglühens Rosenflur.

Denn verborgen hinter jener Mauer

10Strömt der Gnadenquell des Sonnenlichts,

Und die Wolke, uns ein Bild der Trauer,Blickt nach dort verklärten Angesichts.

Also sah ich düst’re MenschenstirnenIn den Grenzen dieser Erde auch:

15Sie umfloß wie Glanz der Alpenfirnen

Eines fremden Lichtes leiser Hauch.

Augen sah ich, die dem Hier entrinnen,Das mit Tränenschatten sie umhüllt;Doch versunken war ihr Blick nach innen

20Und von dort mit sel’gem Glanz erfüllt. –

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