Jäher Zweifel

[57] Jäher Zweifel.

Wo sich Weidenlaub zum Dache bogUnd durch Nacht ein stilles Wasser zog,Trieb ich lange schon den müden Kahn,Meiner Sorge schweigend untertan.

5Meine Ruder taucht’ ich in die Nacht –

Ob mir nie ein freundlich Ufer lacht?Plötzlich Laub und Dunkel aufgetan,Und ich schwamm auf lichtbeglänzter Bahn:

Aus des Ufers dunklem Wiesengrund

10Prallte blendend weiß ein Säulenrund;

Laut davor in weh’ndem FackelglanzSchwang bekränzte Jugend sich im Tanz.

Lachen schallte, und die Zither klang;Über Blumen wiegte sich Gesang –

15Dank und Jubel mir im Herzen quoll;

An die Ruder griff ich freudevoll – –

Da – bevor ich noch den Kahn gewandt,Hielt ein andres Bild mich festgebannt:Spiel und Tanz auch drunten in der Flut,

20Marmorblinken auch und Rosenglut.

[58] Aber drunten in geheimen Glanz

Lautlos alles – stumm – ein Schattentanz.Nah dem Glück, das mich empfangen will,Steht mein Herz in bangem Zweifel still.

25Welches ist das Ziel, das mir ersehn,

Und wo wird sich’s seliger ergehn:Droben, wo die helle Zither klingt?Drunten, wo sich stumm der Reigen schlingt?

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