Müde

[39] Müde.

Ich zog auf fernen WanderungenAn manchem stillen Ort vorbei,Wo mich’s mit Allgewalt durchdrungen,Wie selig dort die Ruhe sei.

5Mit hohen Wipfeln sah ich ragen

Den Föhrenwald am Felsenhang;Wie leiser Gruß aus fernen TagenDer Wind durch seine Kronen klang.

Ein Wasser ging in seinem Grunde –

10Es weilte still mein Bild darin –

Von Stein zu Stein, von Stund’ zu StundeMit ewig gleichem Sang dahin.

Und rings zersprengte FelsenmauernIn altbemooster Einsamkeit –

15Auf einem Felsblock sah ich kauern

Ergraut und stumm die tote Zeit.

Ich zog auf fernen WanderungenAn manchem stillen Ort vorbei,Wo mir die Sehnsucht vorgesungen,

20Wie selig dort die Ruhe sei.

[40] O wie bescheiden wir uns stille

Mit jedem jungen Traum zuletzt!Mich hat des Schicksals harter WilleDurch Angst und Not und Qual gehetzt.

25Nach aller Sorgen Gift und Kummer,

Nach dieses Lebens Schein und Trug –Zur letzten Rast, zum langen SchlummerIst jeder Winkel gut genug.

Auf lautem Markt, im Tagesscheine

30Geht mir’s verlangend durch den Sinn:

Ich legte mich auf diese Steine,Wie gern! zur letzten Ruhe hin.

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