Mein Freund
[44] Mein Freund.
Als ich jüngst im Garten wandelte,Ward mir unverhoffte, tiefe Freude:Aus dem tiefen Dunkel wirrer ZweigeWinkten mir zwei Blumen wie zwei Augen.
5Näher trat ich, durchs Gebüsch mich zwängend –
Sieh, im düst’ren Schatten alter Bäume,Fast erdrückt vom wuchernden Holunder,Stand ein armer Strauch der Alpenrose.Zwischen seinen krummen, mag’ren Ästen
10Spann ihr feucht Gespinnst die ewige Nacht;
Abgetrennt von Luft und Sommersonne,War er leidend Jahr um Jahr gewachsen;Doch aus Leidensnächten hob er Blüten,Starke, lächelnde, betränte Blüten,
15Seines Ringens Ende, still empor.
Und den Gärtner rief ich: „Diesem StraucheGib den besten Platz in meinem Garten.Tu es bald – ich hab es ihm versprochen.“
Alle Wohner meines Gartens lieb ich,
20Halm und Bäume, Frucht- und Schattensträucher;
Doch mit diesem in des Abends SchweigenSprech’ ich Worte wie von Mensch zu Mensch.
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