In’s Reine

In’s Reine.

Im Hahnserail war gross Geschrei,Es wurde viel gesprochen,Die junge Henne hätt’ die TreuDem alten Hahn gebrochen!

5»Nein, was zu toll ist, ist zu toll!«Rief laut der Schwestern eineUnd pusst’, dass jede Feder schwoll,Und schimpfte Stein und Beine.

»Das ruchlose Geschöpf! – die Schand’!

10Wir alle sind beleidigt! –Wo gäb’s ’ne Henne wohl im Land,Die solche Sünd’ verteidigt?

Die alte Frömmigkeit stirbt aus? –Grau’nhafte Frevelthaten!

15O Sittlichkeit im Hühnerhaus,Wo bist du hingeraten?« –

Sie drangen auf die Aermste ein,Begannen zu versäbelnDas hübsche Ding, fast kurz und klein,

20Mit ihren scharfen Schnäbeln.

Hoch flog der Schmutz auf dort und hier;Staub gab’s auf allen Gassen,Kein gutes Federchen ward ihrAm ganzen Leib gelassen. –

25Der alte, lächerliche HahnStand still auf einem BeineUnd sah sich dumm die Sache an,Wie alles kam in’s Reine.

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