Die Maid von Ballochmyle

Traducido por Adolf Wilhelm Ernst von Winterfeld

’S war Abend – auf der Flur lag Thau,Hing an den Blättern perlengleich,Zephire kos’ten, lind und lau,Die Düfte aus dem Blüthenreich.

5In jedem Thal die Drossel sang

Und Alles lauschte still, dieweilAus grünem Wald das Echo klang,Im Hügelland von Ballochmyle.

Ich irrte sorglos durch das Land,

10Im Schau’n verloren, ganz und gar,

Als ich auf wald’ger Blöße fand,Ein Mädchen, hold und wunderbar.Ihr Blick wie Morgensonnenschein,Verhieß, wie Frühlingslächeln, Heil;

15Ein Hauch sprach, flüsternd durch den Hain:

„Das ist die Maid von Ballochmyle.

Der Tag im blum’gen Mai ist schön,Und süß im milden Herbst die Nacht,Wenn durch die Flur wir träumend geh’n,

20Und durch die stille Waldespracht:

Doch ihrem Lieblingskind, dem Weib,Gab Schön’res die Natur zu Theil;Was wög’ wohl auf den süßen LeibDer schönen Maid von Ballochmyle!? –

25Wär’ sie gering und arm doch, ach!

Und ich mit ihr von gleichem Stand,Beherbergt’ sie das schlechtste Dach,Das jemals stand im Schottenland:[8] Durch Wind und Wetter wollt’ ich flieh’n,

30Kein Bach zu breit, kein Berg zu steil,

Um Nächtens an mein Herz zu zieh’n,Die schöne Maid von Ballochmyle.

Dann möcht’ der Stolz sich immer müh’n,Nach Ruhm und Ehren luft’gem Schein;

35Dann möcht’ der Durst nach Schätzen, kühn

In Indiens Minen dringen ein;Mir gebt das arme, niedre Dach,Die Axt und Pflugschar sei mein Theil,Ich neid’ Euch nicht; denn Nacht und Tag

40Ist mein die Maid von Ballochmyle.

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