Zur Säcularfeier von Goethe’s „Iphigenie“

In engen Hütten und im reichen Saal,Auf Höhen Ettersburgs, in Tiefurts Thal,Im leichten Zelt, auf Teppichen der Pracht,Und unter dem Gewölb’ der hohen Nacht

Zum Muster wuchs das schöne Bild empor,Vollendet nun, sie ist’s und stellt es vor;Es gönnten ihr die Musen jede Gunst,Und die Natur erschuf in ihr die Kunst.

„Italiens Lüfte weh’n Dich wieder an.Du fährst auf’s Meer, in Gondeln von Venedig,Und still am Ufer gehst Du Abends wieder,,Das Land der Griechen mit der Seele suchend.’Da steigen die Gestalten alter Welt,Aus linder Nacht, im Geiste vor Dir auf.Du siehst Orest, siehst IphigenieSich freundlich Dir gesellen; Göttern gleichIst ihrer Rede Anmuth. Du vernimmstSie gern, zu Wechselworten froh gewendet.So gehst Du, still beseligt, am Gestade,Bis Dich des Fischers, des rückkehrenden,Gesänge hold erwecken, wo Du bist.“

„So schwebt auch uns ein neuer Tag hernieder,Es grüßt die Kunst die heil’gen Bilder wieder,Zu kühnstem Streben öffnen sich die Schranken,Nur durch ihn selbst laßt uns ihm würdig danken!“

„Was der Dichter diesem BandeGlaubend, hoffend anvertraut,Werd’ im Kreise deutscher LandeDurch des Künstlers Wirken laut;So im Handeln, so im SprechenLiebevoll verkünd’ es weit:Alle menschlichen GebrechenSühnet reine Menschlichkeit.“

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