Die neue Künstler-Herberge in Berlin
Hast du ein Bild im Geist erschaut –Nur frisch der eignen Kraft vertraut!Zur Wahrheit wird dem Traumgesicht,Und sieh: dein Bild, es lebt und spricht!
Gott gab dem Lehm einst Lebenshauch.Versucht es nur – ihr könnt es auch!
Ob ihr mit Meißel oder Pinsel schafft –Wie klein das Werkzeug, wie groß die Kraft!
Wer schaut dem Marmorblock wohl an,Was für ein Gott d’raus werden kann?
Welch schöner Dienst, der Gottheit fröhnenIm ewig lichten Reich des Schönen!
Der Geist belebt und nicht der Text.Der Eine malt, der Andre klext.
Tracht’ nicht nach Ruhm und Menschengunst,Kurz ist das Leben, lang die Kunst.
Festes Aug’ und sichre HandPreisen allwärts Leut’ und Land.
Sitzt sie nicht am rechten Fleck,Ist die schönste Farbe – Dr…!
In Lust und Leid getreu allzeit.
Hör’, Maler Bacchus, meine Bitt’:Mal’ mir zu roth die Nase nit!
Den Künstlern winkt einst reicher Lohn,Sanct Lucas ist ihr Schutzpatron.
Sanct Lucas, schau’ schon diesseits drein!Man wird nicht satt vom Ruhm allein.
Ohn’ Falsch und Fehl, von ganzer Seel’, allweil fidel!
„Wer heut’ – so steht von kund’ger Hand geschrieben an der KanzelWand – Wer’s heut’ mit Narrheit nicht versucht, der sei – ver-flucht, verflucht, verflucht!
Wer heut’ den Kopf griesgrämlich senkt, wer Mücken seih’t und Grillenfängt und sich nicht fügt der lust’gen Zucht, der sei – verfl…!
Wer hungrig sitzt beim leckren Mahl, und, wenn er leidet Durstes Qual,nicht seinen Durst zu löschen sucht, der sei – verfl…!
Wer nicht des Liebchens Lippen küßt, wenn es nach Küssen trägt Gelüst,und wer sein Liebchen täuscht verrucht, der sei – verfl…!
Wer für des Nächsten Gram und Schmerz nicht hat ein volles, warmesHerz, wer nur des Nächsten Fehler bucht, der sei – verfl…!
Wer nur an ird’schen Vortheil denkt, nach Gold nur giert, am Gold nurhängt und frömmelnd doch zum Himmel lugt, der sei – verfl…!
Wer heut’ hier sagt: ich spiel’ nicht mit! und wer, so lang’ er nicht imTritt, nicht doch in Tritt zu kommen sucht, der sei – verfl…!
Doch wer hier von des Tages Last sich eine Herberg’ sucht zur Rastin treuer, deutscher Freunde Zahl, der sei gegrüßt viel tausendmal!“
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