Jung-Walter
[384]Jung-Walter.
Um Weihnacht war’s, der Wind blies kaltUnd die Tafelrunde begann,Da kam an den Hof des KönigsManch’ schottischer Rittersmann.
5"]}' id="mwGA"> Der König und die Königin
Schauten nieder von ihrem Schloß:Da sahen sie kommen Jung-Walter,Jung-Walter hoch zu Roß.
Seine Läufer liefen vor ihm her,
10Seine Reiter folgten ihm dicht,
Und sein Mantel wie von GoldeBlitzte im Sonnenlicht.
Und von Golde waren die DeckenUnd die Hufe von Silber hell,
15Und das Roß, auf dem Jung-Walter ritt,
War wie der Wind so schnell.
Da sprach ein tückischer Höfling,Der neben der Königin stand:„Wer ist der schönste Ritter
20In Hoch- und Niederland?“
[385]"]}' id="mwUg"> „„Ich habe gesehn viel Lords und Lairds,
Manch schönen Ritters Gesicht,Einen schöneren als Jung-WalterSah’ ich mein Lebtag nicht.““
25"]}' id="mwYA"> Das hörte der neidische König,
Seine Wange verfärbte sich:„Und wär’ er zweimal schöner,Erst nennen mußtest Du mich.“
„„Du bist kein Lord und Du bist kein Laird,
30Du bist König über sie all’,
Da ist kein Ritter in Schottland,Der nicht wäre Dein Vasall.““
Die Königin sprach es bang und blaß,Der König ward blutroth; –
35Jung-Walter, daß so schön Du bist,
Das bringt Dir nun den Tod.
Sie haben ihn flugs ergriffen,Ihn sicher eingehegt,Sie haben Jung-Walter ergriffen
40Und ihn in Ketten gelegt.
„Oft bin ich geritten durch StirlingBei Wetter und Regenguß,Nie bin ich geritten durch StirlingMit Ketten an Hand und Fuß.
45"]}' id="mwog"> Oft bin ich geritten durch Stirling
Bei Sturm und Windeswehn,Nie bin ich geritten durch Stirling,Um’s immer wieder zu sehn.“
[386]"]}' id="mwsg"> Am Fuß des Hügels noch einmal
50Sah er Wappen und Helm und Schwert,
Am Fuß des Hügels noch einmalSah er Sattel und Zaum und Pferd.
Am Fuß des Hügels noch einmalSah er seine Lady schön; –
55Um das Wörtlein, das die Königin sprach,
Mußt sie ihn sterben sehn.
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