Schön-Margret und Lord William
[378]Schön-Margret und Lord William.
„Leb wohl, meine süße Margret!Ich hab eine stolze Braut,Morgen mit dem frühstenWerd ich ihr angetraut.
5"]}' id="mwGA"> Leb wohl, meine süße Margret!
Ich freie die stolze Maid,Am Kleide trag ich Hochzeit,Im Herzen trag ich Leid.“
Es kam der Hochzeitsmorgen,
10Zur Kirche schritt das Paar,
Schön-Margret saß am FensterUnd strählte ihr blondes Haar.
Sie sah die Braut in Seide,In Sammet den Bräutigam,
15Sie legte schweigend nieder
Den elfenbeinernen Kamm.
Sie schritt zum Strom hinunterUnd brach ein Blümlein da,Das Blümlein war sie selber; –
20Ein Fischer sie treiben sah. –
[379]"]}' id="mwUg"> Nun blinken die stillen Sterne
Ueber dem Hochzeitshaus,Musik ist längs verklungen,Die Lichter loschen aus.
25"]}' id="mwYA"> Lord William hält in Armen
Die stolze, die braune Maid; –Da horch, was rauscht vorüberIn weißem, wallendem Kleid?
Was stellt sich ihm zu Füßen
30Und lächelt in Thränen noch?
Was flüstert ihm zu: „lieb William,Leb wohl, ich liebe Dich doch!“ –
Aufblitzt die Morgensonne,Die Vöglein singen vom Baum,
35Lord William spricht: „lieb Lady
Ich hatt’ einen bösen Traum.
Ich sah zwei rothe Rosen,Und die eine liebt’ ich heiß,Und als ich brach die andere,
40Da wurde die Eine – weiß.“
Lord William steigt zu Rosse,Seine Diener reiten mit,Er weiß nicht, soll er jagenOder soll er reiten im Schritt.
45"]}' id="mwow"> Er kommt an Margret’s Fenster,
Keine Margret dran zu sehn,Er tritt in Haus und Halle, –Da wußt er, was geschehn.
[380]"]}' id="mwsw"> Sieben Brüder stehend schweigend
50Um ihrer Schwester Bahr’,
Noch blinken WassertropfenIn ihrem goldnen Haar.
„Ich liebte Dich im Leben,Ich liebe Dich im Tod, –
55Deine Lippen, könnt’ ich sie küssen
Bis daß sie wieder roth.“
Da murrten die sieben Brüder,Und der älteste sprach laut:„Lord William, willst Du küssen,
60So küss’ Deine stolze Braut.“
„Wenn meine Braut ich küsse,Küss’ ich nach Recht sie nur, –Ich brach Euer Schwester Herze,Doch brach ich keinen Schwur.
65"]}' id="mw6g"> Zu Tisch nun, liebe Mannen!
Die Tafel blinkt von Wein,Morgen mit dem frühstenSoll neu gedeckt sie sein.“
Wohl war sie neugedecket
70Noch eh der Morgen kam:
Schön-Margret starb aus Liebe,Lord William starb aus Gram.
Er ward im Chor bestattet,Und siehe, Schön-Margret auch;
75Sein Grab trug einen Weißdorn,
Ihrs einen Rosenstrauch.
[381]"]}' id="mwARY"> Sie wuchsen bis zum Dache
Und reichten sich da die Hand,Kein Auge sah die Beiden
80Das nicht in Thränen stand.
Der Küster hieb sie niederUnd warf sie in die Flamm,Sie aber wuchsen wieder: –Treue Liebe kommt zusamm.
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