Treu-Lischen
[118] Treu-Lischen.
„Mein Lischen, stell das Weinen ein,Auf Regen folgt ja Sonnenschein,Ich kehr’ mit Schwalb’ und FliederUnd wohl noch früher wieder.“
5Der Bursche sprach’s. Vom Giebeldach
Sah ihm Treu-Lischen lange nach,Bis Hoffnung wiederkehrteUnd ihren Thränen wehrte.
[119] Die Aeuglein wurden wieder klar,
10Das Herze jeden Kummers bar, –
Sie wußte, mit dem FliederKam ihr der Liebste wieder.
Der Frühling kam mit Duft und Klang,Treu-Lischen harrte mondenlang,
15Herbstwind durchfuhr den Garten, –
Vergeblich war ihr Warten.
Wohl kam der Frühling viele Mal,Ihr Liebster nimmermehr in’s Thal,Doch Lenz um Lenz auf’s Neue,
20Rief sie: „nun kommt der Treue!“
Es konnt ihr Herz, das Jahr um JahrDem Liebsten treu geblieben war,Es konnt’s ihr Herz nicht fassen,Er habe sie verlassen.
25[120] Grau ward ihr Haar, welk ihr Gesicht,
Das Alter kam, sie wußt’ es nicht,Ihr Hoffen und ihr Lieben,Ihr Herz war jung geblieben.
Und als der Tod sie heimgeführt,
30Hat ihn das treue Herz gerührt,
Und mit des Liebsten MienenIst er vor ihr erschienen.
Comentarios
Cargando comentarios…