Noch eine Scene aus Dekkers Fortunatus und seine Söhne
Traducido del inglés por Friedrich Wilhelm Valentin Schmidt
Fortuna.Der Tugend, Lasters und Fortunas Diener,Reißt dieses Oberkleid der Erde auf,
Steckt diese Bäum’ in ihre nackte Brust!Tugend. Wie viele Reiche bin ich durchgewandert,
Den Strich zu finden, wo die dürren Zweige
Gedeihen mögten! doch kein Boden warGeschickt; verhaßt ist Tugend ganz und gar.Find’ ich, daß sie auch hier in diesem welken,Flieh ich gen Himmel, wo ich her gesandt
Zu Göttern, da die Erde mich verbannt.
Laster. Tugend, ich bin dein Feind. Wenn du dort pflanzest,Grünt hier mein Baum, dem deinen gegen über,Und soll wie Winden seine Arme stricken,Dein krankes Grün umfangend zu ersticken.
So scheuch ich dich aus dieser Welt. Denn wäre
Die Tugend weg, hätt ich allein die Ehre.Fortuna. Ihr, die Ihr diesem lichten Teufel dient,Und jener armen Heilgen, schaufelt jetzt,Indeß ein Lied des Priesters Euch ergötzt.(Während der Priester singt, setzen die übrigen die beiden Bäume in die Erde ein).
Tugend Zweige welken, Tugend wimmert;
O weh, o weh! o jämmerliche Zeit!Laster blühet, Laster glorreich schimmert,Streckt goldne Aeste Cedernhoch und weit!
Laster herrscht mit Macht in jedem Land,
O weh! denn seine Wangen scheinen Gold;
Tugend ist aus jedem Staat verbannt,Denn ernst ist Tugend, Laster lächelt hold.
Tugend stirbt in Thränen, weh, o wehe!Und Laster lacht voll Tücke, (schnöde Zeit!)
Buntgefiedert schwingt sich’s in die Höhe.
Das Gute fällt, das Böse wuchert weit!
Kein Lied, nur Trauer ziemt für dies Geschlecht,Wo Laster Fürst ist, Tugend aber Knecht.Laster blühet, Laster glorreich schimmert,
Tugend Zweige welken, Tugend wimmert.
Fortuna. Blüht oder welkt! Fortuna kümmert’s nicht!Gleichgültig, wie die Sonn auf jeden WechselSchaut unsre Hoheit. Gut’ und Böse habenDen gleichen Antheil an des Zufalls Gaben. (Sie zeigt auf die Bäume.)
Hier diese Eure Schatten sollen auch
Die Menschen bin zu ihrer Schönheit locken.Der Hain hier werde unser Tempel. KünftigSei er geheiligt unseren Gottheiten.Tugend. Wie selten einer, der mich liebt und kennt!
Laster. Es tröste dich, daß man dich göttlich nennt!
Fortuna. Sieh, arme Tugend, deinen Blicken fehltDer buhlerische Reiz, das thut mir Leid.Die Blätter hangen wie des Herbstes Haar,Das jeder Windstoß höhnend nieder weht.
Warum zeigt man auf dich, wie auf den Trunknen?
(Zeigt auf die Narrenkappe). Warum setzt man dir auf die Schellenkappe?Dein weiter Hof, ist offen; niemand drinnen.Warum ist unbetreten deines TempelsKrystallner Boden? Alles dieses darum,
Weil du einhergehst still, gemein und schlicht,
Dem Auge wilde Liebesglut gebricht.Tugend. Der Tugend Zier ist ein gewöhnlich Kleid.Fortuna. O, armer Narr! Nicht dieses Bild der Reinheit,Noch sibi sapit vorn auf deiner Brust
Reißt Sterbliche zu deiner Liebe hin.
Nein, dieses Balls gewaltig kreisend RadIst um, und steht, wo es begonnen hat.Auf Krücken ging die Welt erst gestern noch:Jetzt ist sie bettlägrig, und ist so alt,
Daß sie schon wieder jung wird, wieder Kind.
Kindisch ist ihr Gemüth, und närrisch ganz,Und Narrn und Kinder freuen sich an Tand.Drum, Tugend, nimm wie Laster goldne Larve,Häng deinen Busen voll mit Silbermonden;
Dann glaubt die dumme Welt, wie diese wachsen,
Wie hell der Mond im Perlenkranze schwillt,So werd ihr Herz mit Himmelslust gefüllt.Tugend. Die Tugend trägt nicht ein erborgt Gesicht.Fortuna. Wie hast du denn den Narrenhut erborgt?
Tugend. Mir gaben Thoren ihn, die mich nicht kannten.
Es ist mein Stolz der Thoren Hohn zu tragen.Fortuna. So traur’, und stirb denn aller Welt verhaßt.Tugend. Nicht aller Welt. Noch Einmal will ich wandern.Weisheit auf selgen Schwingen flüchtete
In Eine Brust. Ich finde wohl den Ort,
Errichte einen Tempel, weile dort.Wenn Laster, wenn Fortuna schmeichelnd blickt,Dies treue Herz wird nimmer mir entrückt.Dann werf ich von mir, was mich jetzt entstellt,
Erscheine strahlend vor der blöden Welt,
Ihr kriecht vor mir, die früher mich gequält.
Fortuna. Zürnt Tugend? - Laster nun, auf Wiedersehn.Laster. So lang die Bäum’ in diesem Haine stehn,Wenn die scheinheilig englische Gestalt (sie zeigt auf ihren Baum).
Verliebte Thoren hier zu buhlen reizt,
Und meines Zauberbaumes Frucht zu pflücken,Soll ein Geweih die freche Stirne schmücken,Uns Spaaß zu machen.Fortuna. Gut. Aus Wiedersehn!
Tugend (zu Laster). Höllischer Feind! Ich will dir widerstehn.
Ja, wem dein lüstern frecher Blick gefällt,Der wird gewiß durch schnöde Lust entstellt.Der Mensch wird Vieh, sobald er praßt in Sünden.Doch, dir zum Trotz, soll er noch Rettung finden.
Er werde menschlich wieder, wenn er sucht,
Entstellt und reuig, diese meine Frucht. (Sie zeigt auf ihren Baum).Laster. Dir weich ich nicht.Tugend. Ich setze alles dran.Fortuna. Und ich entscheide wer den Sieg gewann.
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