Ein Sträußchen gefällig?
Streift’ ein Sonnenstrahl, ein kecker,Der in grüner Freiheit spielte,Schelmisch eine alte, dunkle,Lange, steife, würdevolle,Weihrauchsatte Kirchensäule,Und verdrießlich ward sie drob.
In dem Café nazionaleSaß er, saß der glaubensfesteHirt der Heerde von MentanaUngeschlacht mit breiten BeinenUnter Kindern dieser Welt.Von der Noth der Zeit durchdrungen,Schlürft er stumm den caffè nero,Dann und wann ein schwarzer Schluck.Sieh, da schlüpft es in die Kühle;Schlank und leichtbeweglich biegsam,Wie Lacerten um die SitzeWindet sich die Fioraja,Unter jede Nase haltend,Dick und dünne, schief’ und grade,Ein verführend duftig Sträußchen,Schäkernd, schnippisch – nun, man kennt sie.
Plötzlich stutzt sie; um die LippenZuckt es lustig, und sie schleicht sichIn den Rücken des ehrwürd’genBraven Hirten von Mentana,Und schon rühren seine WangenBlumenhauch und Mädchenathem:„Kauft mir’s ab, Signor curato!“Zornig schielt er auf das Mädchen,Und er hebt den endlos langenArm, als gält es, sich den BösenKräftiglich vom Ohr zu scheuchen:„Eh, diamine, va via!“ –Kichernd schlüpft die Kleine fort.
Streift’ ein Sonnenstrahl, ein kecker,Der in grüner Freiheit spielte,Schelmisch eine alte, dunkle,Lange, steife, würdevolle,Weihrauchsatte Kirchensäule,Und verdrießlich ward sie drob.
Victor Blüthgen.
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