Ein bekehrter Poet
Als Zwanziger ich einst die „Amaranth“,Den „Odilo“ ich jetzt als Fünfz’ger schrieb.Und hab’ ich auch zu diesem zweiten LiedMein Harfenspiel wohl vielfach neu bespannt,Bleibt doch mein erstes mir noch gleichfalls lieb.Denn trotz der beiden Lieder UnterschiedSind innerlich sie dennoch tief verwandt,Und auch ich selbst mir darin treu verblieb,Der ich in beiden, wie mein Herz mich trieb,Mein inn’res Leben gleich getreu bekannt.
Was, diese windigen Romanen,Nur schlau in Formen und Chicanen,Die von dem deutschen Geist sovielAls wie der Hund vom FlötenspielIn ihren seichten Köpfen ahnen,Die uns Exempel sein? Ha, nie!Doch dreimal eher umgekehrt!In unsern Kirchen lernen sie,Wie man voll Andacht Gott verehrt.Und glaub’ ich auch ganz sicherlich,Daß jeder deutsche Priester sich –Sofern er noch ein Deutscher ist –An innerlichem ChristensinnMit Menschenlieb’ und Wahrheit drin,Doch keiner Spur von Pfaffenlist,Mit jedem dieser Wälschen mißt.Dies ist einmal ein deutsches Kloster.Und ist es auch römisch-katholisch,Wie Petri Stuhl echt apostolisch,Ich dennoch nicht begreifen kann,Warum ich als ein deutscher MannMich über Rom nicht ärgern darf,Wo’s irgend unserm Volk nur SteineIn seines Wachsthums Wege warf.Und denk’ ich nur an dieses Eine:Wie’s unsern Mahnruf einst verlachte,Im Glauben uns zerrissen machte,Den dreißigjähr’gen Krieg uns brachteUnd all den spätern Glaubenshader –Herrgott, wenn da mit deutscher AderUnd nur ein bischen MenschenliebeDas Herz davon ganz ruhig bliebe!
„Was nützen strengste Glaubensnormen,Was alle regelrechten FormenUnd aller Cultus tiefsymbolisch,Wenn Liebe nicht echt apostolischDes Christenthums fruchtbarer Kern?Nur sie bringt uns dem Himmel nah’,Sonst bleibt uns ewig himmelfernSo Bethlehem wie Golgatha.“
„Wenn nur der Einen Liebe BandDie Herzen alle gleich umschlingt,Wenn nur in gleichem OpferbrandJedweder nach Vollendung ringt,Zu seines wie des Nächsten FriedenVon jedem Glaubenshaß befreit,Dann wird – trotz Glaubensunterschieden –Im großen Dom der MenschlichkeitDer Liebe Gottgemeinschaft sein,Und siegreich kehrt auf Erden einDer Welterlösung neue Zeit.“
„Ach, unsre Zeit, durch SchwertgeklirrUnd Zungenstreit so müd’ und wir,So abgehetzt durch Dampfeshast,Durch Neidesgroll und Goldesgier,Wie schwerer Nothdurft Sorgenlast –Wohl ist dein Geist so stark wie nie.An Wissen reich, erfinderkühn,Voll Freiheitsdrang und Thatentriebe,Doch ach, dein Herz wird krank, denn sieh’,Dir fehlt’s trotz all des Geistes Müh’nAn inn’rem Frieden und an Liebe.“
„Doch all der Geist im Völkerleben,Nach der Vollendung all sein StrebenIn Sitte, Wissen und in Kunst,Der ganze Weltschatz der Cultur,Das Werk solch ries’gen Menschensfleißes,So werth allew’gen Seins und Preises –Das Alles fiel’ ohn’ alle SpurAnheim einst ewiger Vernichtung? –Wie einst die Lösung sei? Wer weiß es,Will er nicht blos mit Worten spielenIn noch so hoch erhab’ner Dichtung?Doch einer höh’ren Welt ErscheinungMit immer höh’ren ew’gen Zielen –Der Völker Trost seit allen Zeiten –Wer in beweisender Verneinung,Wer übernimmt’s, sie wegzustreiten?“
„So schauet her, ihr ZeitgeistkinderUnd doch des eignen Geists Regirer,Sterngucker ihr und Hirnsecirer,Steinklopfer und Karnickelschinder,Ihr Knochen- und ihr PilzefinderUnd pantschende Retortenschmierer!Die nie ihr andern Geist erweckt,Als den ihr seht und riecht und schmeckt,Und ganz noch in der UrschleimwindelMit eurer Affenweisheit steckt!Schau her, du Stoff- und Kraftgesindel,Du Wechselbalg der Wissenschaft:Durch diese vierfach mag’sche SpindelBeweg’ ich alle Kosmoskraft!“
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