Im Banne der Musen

„Lebt wohl, ihr Augen, ihr schönen blauen,Die ich nicht mehr bewundern kann –“

,Dem läßt’s wie Eis,Wo es kocht siedeheiß.‘

Es stund eine Lind’ in der Maiennacht.Die Luft ward weich und trübe;Die Beiden haben geküßt und gelacht;Die Nachtigall sang von Liebe.

Sie haben sich ewiger Treu’ geweiht;Sie sprachen von bangem Sehnen,Doch trug ein falsches Herz die Maid –Die Nachtigall sang von Thränen.

O Minne falsch, o Minne traut;Sie koseten unter der Linde.Die Nachtigall sang bang und lautEin Lied von Schuld und Sünde.

Zu Helmstädt beim Bieren,Da thät ich studiren!Bibe, bibe, bibe, bibe,Tu quis satis, bibe, bibe,Tum Lyæus imperat!Io! Io!

‚In’s Städtlein zieht wieder Reiter und Roß,Mit Jubel begrüßt man den muthigen Troß;

Viel Kränzlein die flocht man zum Siegeslohn.Ei, schenket kein Mägdlein mir einen davon?

Mein Vater ist todt, meine Mutter mir fremd,Mein Mädel hat Andern sich zugewendt. –

Ach besser, geblieben im blutigen Feld,Als so allein auf mich selbsten gestellt!

Falber, was schaust du so traurig mich an?Uns Beide will Niemand zum Festschmause han;

Du brav alter Klepper, arg mager und krumm,Und ich selber zerfetzet – mich wundert’s nicht drum.

Was schiert uns das Volk denn? Falber, was macht’s?Reiten wir weiter! Niemand beklagt’s.

Giebt auf der Welt noch viel blutigen StreitUnd manch grünen Hügel auf blumiger Haid;

Ranken wohl lustig wild Röslein um’s Grab;Vöglein singt Lieder vom Zweige herab. –

Wir Beide, Falber, wir schlafen selban,Ein Roß und sein einsamer Reitersmann.‘

‚So viele Blättlein im Walde wehn,So viele Sternlein am Himmel stehn,So viele Blümlein im kühlen Grund,So oft denk ich Dein zu jeder Stund –‘

‚Wann ich gedenk’, wie es ihm geht,Mein Herze in groß Trauern steht –Ich kann nit fröhlich werden –‘

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