Karl Simrock (Die Gartenlaube 1855)
„An den Rhein, an den Rhein, zieh’ nicht an den Rhein,Mein Sohn, ich rathe Dir gut;Da geht Dir das Leben zu lieblich ein,Da blüht Dir zu freudig der Muth.Sieh’st die Mädchen so frank und die Männer so frei,Als wär’ es ein adlig Geschlecht:Gleich bist Du mit glühender Seele dabei:So dünkt es Dich billig und recht.Und die Schiffe, wie grüßen die Burgen so schönUnd die Stadt mit dem ewigen Dom!Zu den Bergen, wie klimmst Du zu schwindelnden Höh’nUnd blickst hinab in den Strom.Und im Strome, da tauchet die Nix aus dem Grund,Und hast Du ihr Lächeln geseh’n,Und fang Dir die Lorlei mit bleichem Mund,Mein Sohn, so ist es gescheh’n:Dich bezaubert der Laut, Dich bethört der Schein,Entzücken faßt Dich und Graus.Nun singst Du mir immer: Am Rhein, am Rhein,Und kehrst nicht wieder nach Haus.“
„Du winkst mir, Saga, wieder, o Lust, ich folge gernWohin du mich auch führest, und wär’ es noch so fern.Sie sprach aus goldnem Munde: Du bist mir hold, ich weißUnd gingst in eine Wüste auf deiner Göttin Geheiß.Das will dir heute lohnen die Herrin deiner Wahl:Sie will am Rheine wohnen, in dein geliebtes Thal,Dein trautes, dich begleiten, wo die die Rebe blühtUnd an den sieben Bergen die Sonne scheidend verglüht.“
„Mir ward ein Lied zu singen, des deutschen Sinnes Bild,Der lange lau und lässig, im Zorn erhaben schwillt.“
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