Das Land der Hinkenden

[22] Das Land der Hinkenden.

Vor Zeiten gabs ein kleines Land,Worinn man keinen Menschen fand,Der nicht gestottert, wenn er redte,Nicht, wenn er gieng, gehinket hätte;

5Denn beides hielt man für galant.

Ein Fremder sah den Uebelstand;Hier, dacht er, wird man dich im Gehn bewundern müssen,Und gieng einher mit steifen Füssen.Er gieng, ein jeder sah ihn an,

10Und alle lachten, die ihn sahn,

Und jeder blieb vor Lachen stehen,Und schrie: Lehrt doch den Fremden gehen!

Der Fremde hielts für seine Pflicht,Den Vorwurf von sich abzulehnen.

15Ihr, rief er, hinkt; ich aber nicht:

Den Gang müßt ihr euch abgewöhnen!Der Lärmen wird noch mehr vermehrt,Da man den Fremden sprechen hört.Er stammelt nicht; genug zur Schande!

20Man spottet sein im ganzen Lande.

Gewohnheit macht den Fehler schön,Den wir von Jugend auf gesehn.Vergebens wirds ein Kluger wagen,Und, daß wir thöricht sind, uns sagen.

25Wir selber halten ihn dafür,

Bloß, weil er klüger ist, als wir.

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