Der alte Dichter und der junge Criticus

[234]Der alte Dichter und der junge Criticus.

Ein Jüngling stritt mit einem AltenSehr lebhaft über ein Gedicht.Der Alte hielts für schön; der Jüngling aber nicht,Und hatte Recht, es nicht für schön zu halten.

5Er wies dem Alten, Schritt für Schritt,

Hier bald das Matte, dort das Leere,Und dachte nicht, daß der, mit dem er stritt,Der Autor des Gedichtes wäre.

Wie, sprach der Alte, ganz erhitzt,

10Sie tadeln Ausdruck und Gedanken?

Mein Herr, Sie sind zu jung, mit einem Mann zu zanken,Den Fleiß, Geschmack und Alter schützt.Da man Sie noch im Arm getragen,Hab ich der Kunst schon nachgedacht.

15Und kurz: was würden Sie wohl sagen,

Wenn ich die Verse selbst gemacht?

Ich, sprach er, würde, weil Sie fragen,Ich würde ganz gelassen sagen,Daß man, Geschmack und Dichtkunst zu entweihn,

20Oft nichts mehr braucht, als alt und stolz zu seyn.

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